Sport : Theofanis Gekas

Wie der Bochumer das Spiel gegen Hertha erlebte

Richard Leipold

Der Stadionsprecher gerät schon nach wenigen Sekunden in Wallung. „Alles wie gemalt!“, ruft er, „1:0 für den VfL Bochum, der Torschütze: Theofanis Gekas, wer sonst?“ Ja, wer sonst? Gegen Hertha BSC trifft der griechische Nationalstürmer schon in der ersten Minute. Er spielt Doppelpass mit Joel Epalle und drückt den Ball, am Pfosten lauernd, aus kurzer Entfernung über die Linie – sein 17. Tor im 27. Saisonspiel. Ein Sirtaki wird eingespielt, wie immer wenn Gekas im heimischen Stadion trifft. Die Fans feiern den Schützen mit Gesängen, sein Nationaltrainer Otto Rehhagel nimmt das Tor auf der Tribüne interessiert zur Kenntnis.

Dann verschwindet Gekas für längere Zeit aus dem Blickfeld. Sein frühes Tor hat die Bochumer genügsam gemacht. Die Bälle kommen nicht mehr an die Nahtstelle zum Abseits, dorthin also, wo der gerissene Stürmer am liebsten Posten bezieht, nahezu auf einer Linie mit den Verteidigern. Nach der Pause taucht er wieder auf. Gekas setzt sich gegen zwei Berliner durch, macht aber eine Drehung zu viel und verfängt sich schließlich in der Abwehr. Aber allein der Versuch erfreut die Fans, sie rufen: „Gekas, Gekas!“.

Gekas gilt als kickende Lebensversicherungspolice seines Revierklubs, aber wenn eine Mannschaft sich so passiv verhält wie der VfL die meiste Zeit dieses Spiels, kann auch er nichts ausrichten. Ausnahmsweise in der Rolle des Verteilers, will er Misimovic im Strafraum anspielen, doch der sonst so ballgewandte bosnische Mittelfeldstratege weiß mit der Kugel nichts anzufangen. Erst in der Schlussphase – inzwischen liegt der Gegner in Führung – kommt Gekas wieder zum Abschluss und strahlt Torgefährlichkeit aus. Er versucht es mit dem Kopf und mit dem Fuß, aber auch bei ihm ist nicht jeder Schuss ein Treffer. Das wäre nicht schlimm angesichts der vielen Tore, die er schießt – wenn die Bochumer noch andere Spieler hätten, die einspringen könnten. Solche Männer indes fehlen dem VfL, besonders an Tagen wie diesem. „Das frühe Tor war Gift für uns“, wird Trainer Marcel Koller später sagen. Gekas mag das süße Gift gemischt haben, aber es ist nicht seine Schuld, dass Bochum nach dem 1:3 gegen Hertha wieder zittern muss.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben