Sport : Theoretisch gewonnen

Helen Ruwald

Wie die Basketballer von Efes Pilsen Istanbul zu schlagen sind, davon hat Albas Trainer Emir Mutapcic klare Vorstellungen. "Man braucht eine gute Verteidigung, muss sich beim eins gegen eins durchsetzen und darf keine Würfe von außen zulassen." So weit die Theorie. Dass sein Team die Theorie heute Abend im Euroleaguespiel in Istanbul (18.30 Uhr MEZ) auch umsetzt, ist fraglich. Die Verteidigung, in der vorigen Saison noch die große Stärke des Deutschen Meisters, ist derzeit die große Schwäche. Bei der Niederlage im Bundesligaspiel in Trier (83:92) waren die Gastgeber besonders mit Würfen von außen erfolgreich: 33 Punkte machten sie durch Dreipunktewürfe, die Erfolgsquote lag bei 61 Prozent. Und Trier, vor dem Erfolg gegen die Berliner noch Tabellenvorletzter, hat sicher nicht bessere Werfer als Istanbul, das in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils das Final Four erreichte.

Alba holte nur 15 Defensiv-Rebounds, der neue Center George Zidek, eigentlich als Ballfänger unter dem Korb geholt, verbuchte einen einzigen. Er hatte Schwierigkeiten, sich eins gegen eins durchzusetzen - auch das passt nicht zu Mutapcics Plan. "Seine physische Verfassung stimmt noch nicht", sagt Mutapcic. Vor allem gegen Ende der Spielzeit bricht Alba in der Verteidigung ein. Rund ein Drittel ihrer Punkte machten die Trierer im letzten Viertel.

Grund dafür ist auch die noch unbefriedigende physische Verfassung des Teams, das noch nicht wieder aufeinander eingespielt ist. Wegen der EM in der Türkei verpassten die Nationalspieler einen großen Teil der Vorbereitung, dann wurde Koturovic suspendiert, Verletzungen kamen hinzu. Und die, die fit sind, können auch nicht optimal trainieren. Aufbauspieler Derrick Phelps etwa fehlte in Trainingsspielen zuletzt ein starker Gegner. Rödl, Garris und Demirel waren oder sind verletzt, so dass der 21-jährige Forward Tommy Thorwarth auf ungewohnter Postion gegen Phelps antreten musste. Bankspieler wie Thorwarth waren am Ende der vergangenen Saison Albas großes Plus. Das ist derzeit anders, den jungen Spielern fehlt die Konstanz, und Alba vermisst die Impulse von der Bank. "Nur weil Thorwarth zwei starke Spiele in den Play-offs gegen Bonn gemacht hat, kann man Gleiches nicht gegen Tel Aviv erwarten. Er ist nicht Michael Jordan", sagt Mutapcic.

Von einer Krise will der Trainer allerdings nichts wissen. "Wenn das Team komplett wäre und die Vorbereitung geglückt, dann hätten wir vielleicht eine Krise. So nicht." Zumindest ein bisschen aufwärts geht es ja - Rödl steht in Istanbul wahrscheinlich wieder auf dem Feld. Garris (Sprunggelenkverletzung) hingegen kann bislang nur geradeaus laufen, Demirels Entzündung im Knie hat sich nach dem Kurzeinsatz in Trier verschlimmert. Mutapcic schließt selbst eine Operation nicht aus. Manager Carsten Kerner ist dennoch optimistisch: "Wenn jeder eine Schippe raufpackt, kann durchaus eine Leistung rauskommen, um in der Türkei zu gewinnen." Was nicht ungünstig wäre, hat Alba die ersten beiden Euroleaguespiele gegen die Topteams Maccabi Tel Aviv und Olympiakos Piräus doch verloren. Nur vier von acht Teams qualifizieren sich für die Zwischenrunde, derzeit ist Alba Letzter. Der türkische Pokalsieger Istanbul verlor das Auftaktspiel gegen Olympiakos 72:87, gewann aber 87:78 gegen Benetton Treviso.

Wie stark Türken Basketball spielen können, hat die deutsche Nationalmannschaft bei der EM in der Türkei erfahren. Das Halbfinale verlor sie nach Verlängerung 78:79. Ein Wiedersehen wird es heute zwischen Albas Marko Pesic und Istanbuls jungem Guard Kerem Tunceri geben. Ein weiterer Star im neu formierten Team ist der bereits vom NBA-Klub Detroit gedraftete Mehmet Okur, laut Mutapcic "der beste Türke in der türkischen Liga". Im Halbfinale der Europameisterschaft fehlte er verletzt. Neu dazugekommen sind der litauische Flügelspieler Saulius Stombergas und der lettische Center Kaspars Kambala.

In der Saison 1999/2000 unterlag Alba Efes Pilsen Istanbul in den Play-offs mit 81:90. 15 000 Türken brüllten ihre Mannschaft im Abdi-Ipekci-Sportpalast zum Sieg. Inzwischen tritt der Tabellenführer der türkischen Liga in der Ayhan-Sahenk-Arena im Norden der Stadt an. Hier werden nur 3900 Fans pfeifen. Immerhin eine gute Nachricht.

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