Sport : Therapierende Gespräche

Unter Mirko Votava wird bei Union der Ton rauer

Karsten Doneck

Berlin. „Stopp mal, stopp!“ Herrisch schallt die Stimme über das Trainingsgelände. Bei solchen Befehlen kommt kein rechter Spielfluss auf. Orangeleibchen gegen Rotjacken – ein normales Trainingsspielchen soll das sein, und doch ist alles anders als vorher. Weil der Mann in Blau mit der herrischen Stimme fortwährend unterbricht, immer wieder erklärt, schreit, schimpft und lobt. Die Methode von Mirko Votava, dem neuen Trainer des 1. FC Union, findet bei den 30 Schaulustigen, die sich bei bitterer Kälte auf einem Nebenplatz des Stadions Alte Försterei das Abschlusstraining vor der Partie heute (19 Uhr) bei Alemannia Aachen anschauen, durchaus Anklang. Ein Rentner ist vollends begeistert, als Votava mal wieder lautstark eine Unterbrechung verlangt. „Guck mal, jetzt hat der die schon wieder am Arsch“, sagt der Mann freudig, „der spricht wenigstens mit denen, wann hat man das denn mal bei Wassilew erlebt?“

Auch Steffen Menze, Unions Kapitän, registriert die Veränderungen bei der täglichen Arbeit. „Er spricht halt viel, gibt klare Anweisungen und findet deutliche Worte“, sagt Menze. Dass die Trainerablösung notwendig war, davon ist auch Steffen Menze zu hundert Prozent überzeugt. „Man hat doch gesehen, dass nach Wassilew nicht mehr viel passiert ist“, sagt er, will das aber keineswegs als Kritik an Wassilews Kurzzeit-Nachfolger Iwan Tischanski verstanden wissen. „Die Mannschaft ist der Hauptschuldige“, sagt er zu der Misere mit sechs sieglosen Zweitligaspielen in Folge und dem Pokal-Aus in Unterhaching.

Zwei Trainingseinheiten hat Mirko Votava nach seiner Blitz-Einstellung am Mittwoch beim 1. FC Union geleitet. Gestern Mittag setzte er sich zusammen mit den Spielern in den ICE nach Köln, um von dort nach Aachen weiterzureisen. Kann sich ein Trainer in so kurzer Zeit überhaupt ein halbwegs objektives Bild machen, welche Aufstellung optimal ist? Votava sagt: „Ich werde von Anfang an nur die Leute aufbieten, von denen ich weiß, dass sie sich nicht unterbuttern lassen. In Aachen gilt für mich die Devise: Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Markige Worte.

Unterbuttern lassen will sich auch Votava nicht. Bei Union ist ja bekannt, dass Präsident Heiner Bertram mitunter sehr bestimmend auftritt. Votava sagt: „Da Union ein Manager fehlt, müssen Herr Bertram und Herr Hofmann dessen Aufgaben mit erledigen, das ist normal – solange sie sich nicht ins Sportliche einmischen.“ Bernd Hofmann ist Vizepräsident und Geschäftsführer. Und noch mehr. Bertram sagt: „Wir haben doch einen Manager, und zwar Herrn Hofmann, der arbeitet in Personalunion.“ Dann ist ja alles im Lot. Fast alles.

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