Sport : Thiel arbeitet im Hintergrund

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Berlin. Irgend jemand hatte etwas völlig falsch verstanden. Frank Hensel, der Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) vielleicht. Hensel verkündete am Freitag abend, die Istaf GmbH habe schon neue Gesellschafter, die Übernahme der Marke Istaf sei geklärt und in ein paar Tagen werde das neue Management des größten deutschen Leichtathletik-Meetings bestellt. Leider alles falsch. Nichts ist geklärt. „Es gibt noch keine neuen Gesellschafter, und es ist noch nicht klar, wer die Marke Istaf erhält“, sagt Hartwig Albers, der Insolvenzverwalter der Istaf GmbH. Noch sind zwei Parteien im Rennen, beide wollen die Istaf GmbH fortsetzen. Zur einen Partei gehören unter anderem Werner Gegenbauer, Präsident der Industrie- und Handelskammer Berlin, und Klaus Henk, SCC-Präsident und bisher Chef des Aufsichtsrats der Istaf GmbH. Die zweite Partei soll gerüchteweise Stéphane Franke sein. Der bisherige Meeting-Direktor wird nach wie vor von Istaf- und Leichtathletik-Insidern verdächtigt, das gefälschte Istaf-Fax zum Weltverband IAAF geschickt zu haben. Das Fax war mitentscheidend dafür, dass Berlin bei der Vergabe der Leichtathletik-WM 2005 leer ausging.

„Heute oder am Donnerstag entscheidet die Gläubigerversammlung, wer den Zuschlag erhält“, sagt Albers. Er geht davon aus, dass die Marke Istaf, das wertvollste Gut der Istaf GmbH, zur Insolvenzmasse gehört. Es gibt allerdings einen Vertrag, in dem fixiert ist, dass die Rechte an der Marke an die Istaf GbR zurückfallen, die Vorgängerin der Istaf GmbH. Gesellschafter der Istaf GbR sind die Vereine SCC, OSC und BSC. Fest steht allerdings jetzt schon, dass diverse Gläubiger der Istaf GmbH wohl leer ausgehen werden. „Eine Insolvenzmasse ist so gut wie nicht vorhanden“, sagt Albers.

Hensel ist die Fehlmeldung bezüglich der Istaf-Rechte etwas peinlich. Er spricht „von einem Missverständnis innerhalb des DLV“. Schließlich gehört ja auch ein Tochterunternehmen des DLV zur Gegenbauer-Gruppe.

Im Rennen um die Istaf-Rechte mischt im Hintergrund auch noch Rudi Thiel mit. Thiel, der langjährige Meeting-Direktor. Der Mann, der das Istaf sportlich aufbaute und wirtschaftlich an den Rand des Ruins trieb. Unter seiner Regie liefen 1,2 Millionen Mark Schulden auf. Thiel bestätigte dem Tagesspiegel seine Aktivitäten: „Mir schwebt eine große Lösung vor, mit ein oder zwei großen Unternehmen. Aber das geht nicht in ein oder zwei Wochen.“ Fünf oder sechs Wochen bräuchte er, meinte Rudi Thiel, der mit dem Insolvenzverwalter Kontakt hatte. „Eine Insolvenz des Istaf hätte es unter meiner Regie nicht gegeben“, sagte er auch und meinte mit Seitenblick auf den deutschen Verband: „Das ist der alte Traum des DLV, ein großes Sportfest in die Hände zu bekommen.“ Frank Bachner/Jörg Wenig

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