Thomas Haas bei den US Open : Das Loslassen fällt schwer

Mit 37 Jahren tritt Thomas Haas noch einmal bei den US Open an. Wird er zum letzten Mal daran teilnehmen? Einiges spricht dafür.

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Thomas Haas ist dem Tennissport verfallen. Auch mit 37 Jahren will er die jungen Spieler noch ärgern.
Thomas Haas ist dem Tennissport verfallen. Auch mit 37 Jahren will er die jungen Spieler noch ärgern.Foto: dpa

Alter sei nur eine Zahl, sagt Thomas Haas gerne. Und er trotzt dem Zahn der Zeit auch erstaunlich gut. Aber neulich war so ein Tag, an dem der 37-Jährige wieder spürte, dass er doch aus einem ganz anderen Tennis-Zeitalter stammt. Sein Gegner, das russische Talent Andrej Rublew, wurde im Oktober 1997 geboren – einen Tag, nachdem Haas sein erstes ATP-Finale in Lyon erreichte. Damals war Haas der kesse Teenager, der die Stars wie Pete Sampras und Andre Agassi herausforderte. Die sind längst in Rente, wie auch die meisten aus Haas’ Generation. Da ist fast nur Roger Federer geblieben, und der reift scheinbar wie ein guter Wein.

Doch während der Schweizer vor den US Open mit den besten Spielern um Masters-Titel kämpfte, hieß die Realität für Haas Aptos in Kalifornien. Ein kleines Challenger-Turnier, hier sah Haas für sich bessere Chancen, um sich die nötige Matchpraxis zu holen. Für einen Sieg über Rublew reichte es, und das war ganz nach Haas’ Geschmack. „Mir macht es Spaß, die jungen, aufstrebenden Spieler wie ihn oder Zverev zu sehen“, meinte Haas, „und es ist ziemlich cool, ihnen noch ein paar meiner Tricks zu zeigen. Auch das macht es mir umso schwerer, loszulassen.“

Haas fehlt es weiterhin an Kraft

Und das Loslassen zögert Haas noch weiter hinaus, obwohl sein jüngstes Comeback nach der vierten Schulteroperation bisher nicht so läuft wie erhofft. Seit er im Juni in Stuttgart nach einjähriger Zwangspause auf die Tour zurückkehrte, hat Haas sechs Turniere gespielt und dabei drei Matches gewonnen. Sogar in Aptos blieb es bei dem einen Sieg, die Konkurrenz ist auch jenseits der Top 100 knallhart geworden. Und da kann Haas momentan nicht mithalten, seiner lädierten Schulter fehlt es weiterhin an Kraft. „Schmerzen habe ich nicht, aber die Schulter wird schneller müde. Das ist frustrierend“, sagte Haas. Mit Aufschlägen, die im Schnitt unter 170 km/h liegen, ist er kaum konkurrenzfähig. Doch Haas beißt, schindet sich täglich im Fitnessraum, und seine Athletik ist für sein Alter erstaunlich. Haas ist ehrgeizig, er will sich noch einmal beweisen. Aber der Weg zurück ist mühsamer, als er es noch bei seinen letzten Comebacks gewesen ist. „Heute muss man wirklich jeden Tag sein bestes Tennis spielen, um durchzukommen. Die Konkurrenten sind auch bei den kleinsten Turnieren hungrig.“

Dreimal stand er im Viertelfinale

Heute beginnen für Haas seine 17. US Open, und es werden seine letzten sein. Zwar wird er in der nächsten Saison noch weiterspielen, doch sollte sich keine deutliche Besserung einstellen, dürfte sich Haas wohl bei einem der deutschen Turniere in München oder Halle, vielleicht noch in Wimbledon verabschieden. Im November erwartet er mit seiner Lebensgefährtin zum zweiten Mal Nachwuchs, auch deshalb wird er seine Prioritäten genau überdenken. „Ich will ein guter Vater sein und viel Zeit mit den Kindern verbringen“, sagte er, „und mit der Reiserei wird es nicht einfacher werden. Aber bis jetzt genieße ich es noch, solange es geht.“

Und ums Genießen geht es auch in Flushing Meadows, hier stand er dreimal im Viertelfinale. Die erste Runde gegen den Spanier Fernando Verdasco wird bereits schwer, aber Haas will sich noch mal reinhängen. Ehrgeizig war er von jeher. Und er hat die US Open immer geliebt, für die Fans ist er einer der ihren. Nicht erst, seit er auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt. Etliche Anhänger hatte Haas allerdings vergrätzt, als er kürzlich ein Foto von sich mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump veröffentlichte. Er habe nur die Reaktion testen wollen, meinte Haas später. Doch viele sehen in Haas nun einen Sympathisanten des umstrittenen Milliardärs und distanzieren sich vehement von ihm. Ein Shitstorm zum Abschied – das hätte wirklich nicht sein müssen.

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