Thomas Hitzlsperger : "In den Oberschenkeln hat es gebrannt"

Der Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart spricht im Interview über quälende Trainingslager, seinen Filmdreh im Urlaub, Vorfreude auf den Bundesligastart und typische Trainingslager-Witze.

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Tiefer Schluck aus der Wasserflasche: Thomas Hitzlsperger im Trainingslager. -Foto: dpa

ZEIT ONLINE:

Herr Hitzlsperger, haben Sie abgenommen?

Thomas Hitzlsperger: Ja! Im Vergleich zum Ende der vergangenen Saison vier Kilogramm.

ZEIT ONLINE: Fällt es Ihnen schwer, sich in der Vorbereitungszeit für die Fitness zu quälen?

Hitzlsperger: Nein, ich habe auch im Urlaub genauso viel oder wenig gegessen wie im Trainingslager. Bei drei Trainingseinheiten pro Tag verliert man aber zwangsläufig ein paar Kilos.

ZEIT ONLINE: Das klingt so, als wäre ein Trainingslager ein Wellnessurlaub?

Hitzlsperger: So ist es sicher nicht. Um 7 Uhr klingelt der Wecker und mit nüchternem Magen geht es zum Lauf- oder Krafttraining. Um zehn Uhr geht´s auf den Platz und am Nachmittag dann die dritte Trainingseinheit des Tages. In Österreich mussten wir die Treppe neben einer Skisprungschanze hochlaufen, vier Mal – teilweise im Sprint. Das war eine super Übung für Schnelligkeit und Ausdauer, aber in den Oberschenkeln hat es gebrannt.

ZEIT ONLINE: Welche Fragen stellt sich ein Fußballer in solchen Momenten?

Hitzlsperger: Wie oft habe ich das schon gemacht? Wie oft mach ich das noch mit und warum muss es ausgerechnet eine Skisprungschanze sein?

ZEIT ONLINE: Sie denken ans Aufhören?

Hitzlsperger: Es ist klar, dass die Vorbereitung auf eine Saison, gerade das Training ohne Ball, keinen Spaß macht. Es gibt die Tage, an denen man auf dem Platz steht und alles wehtut. Aber ich weiß ja, dass die Saison bald wieder startet. Die jetzt beginnenden zehn Monate sind es wert, sich zu quälen. Es gibt einfach keinen vernünftigen Grund, jetzt aufzuhören.

ZEIT ONLINE: Wieso freuen Sie sich auf den Saisonbeginn? Ist es nicht jedes Jahr das Gleiche: 34 Spieltage, und am Ende wird eine Mannschaft Meister.

Hitzlsperger: Ich glaube, diese Saison wird noch spannender, als die vergangene. Die Begeisterung bei den Fans ist weiter ungebrochen und namhafte Spieler sind in die Bundesliga gewechselt und verstärken die einzelnen Mannschaften. In den ersten Spielen werden wahrscheinlich wieder einige Teams über ihren Möglichkeiten spielen und später von den Favoriten überholt. Ähnlich wie es Hoffenheim vor einem Jahr erging. Neben der Bundesliga geht es noch in der Champions League, dem DFB-Pokal und der Nationalmannschaft um sehr viel!

ZEIT ONLINE: In den vergangenen zwei Monaten hatten Sie vier Wochen Urlaub und waren vier Wochen im Trainingslager. Haben Sie ein Buch gelesen?

Hitzlsperger: Im Urlaub: Gar keines, im Trainingslager dagegen zwei oder drei.

ZEIT ONLINE: Im Urlaub lesen Sie nicht?

Hitzlsperger: Normalerweise schon, in diesem Jahr hatte ich jedoch viel zu tun: Ich war neun Tage in Kapstadt und habe einen Dokumentarfilm gedreht. Zur Einstimmung habe ich allerdings davor Nelson Mandelas Der lange Weg zur Freiheit gelesen.

ZEIT ONLINE: Andere Profifußballer beklagen, sie hätten zu wenig Urlaub.

Hitzlsperger: Ich fand das Projekt so gut und interessant, dass ich gerne auf den gewohnten Strandurlaub verzichtet habe. Es geht um eine Organisation im Township Khayelitsha, die sich um aidskranke Kinder kümmert.

ZEIT ONLINE: Wo werden wir den Film sehen?

Hitzlsperger: Das ist eine gute Frage. Bisher gibt es noch keine feste Zusage, aber einige Sender sind an dem Dokumentarfilm interessiert.

ZEIT ONLINE: Welchen Witz haben Sie im Trainingslager zwischen all den Skischanzen-Läufen eigentlich am häufigsten gehört?

Hitzlsperger: Da ich in diesem Sommer nicht am Strand in der Sonne lag, haben mich die Mitspieler oft gefragt, ob ich meinen Urlaub im Keller verbracht habe. Das ist wohl einer der typischen Trainingslager-Witze.

Die Fragen stellte Steffen Dobbert.

Quelle: ZEIT ONLINE, 05.08.2009 15:47 Uhr

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