Sport : Thomas Hitzlsperger

Wie der Stuttgarter das Spiel in der Slowakei erlebte

Stefan Hermanns

Zwanzig Minuten vor dem Anpfiff nimmt Marcell Jansen seine angestammte Position ein. Es ist der Platz auf der linken Seite. Der 19 Jahre alte Mönchengladbacher ist im Training erste Wahl für die Position hinten links in der Viererkette. Als das Spiel jedoch anfängt, sitzt Jansen auf der Bank, und auf seiner Position spielt Thomas Hitzlsperger. Das ist eine kleine Überraschung, weil der Stuttgarter bisher eher als Teil des Problems galt, und nicht als seine potenzielle Lösung. Hitzlsperger ist eigentlich Mittelfeldspieler und hat beim Confed-Cup nur mehr schlecht als recht in der Abwehr ausgeholfen.

Diesmal also wieder hinten links, und immerhin geht es diesmal nicht, wie vor zwei Wochen für Bernd Schneider auf dieser Position, gegen einen Weltklassestürmer wie Arjen Robben. Weil die Slowaken nur mit zwei Angreifern spielen, hat Hitzlsperger keinen direkten Gegenspieler. Gelegentlich bekommt er es mit Marek Mintal zu tun, meistens aber mit Filip Holosko. Der ist 21 Jahre alt und macht sein erstes Länderspiel.

Hitzlsperger beginnt gut: sicher am Ball, konzentriert im Abspiel, energisch im Zweikampf. In der 6. Minute leitet er die erste Offensivaktion ein. Aus dem Halbfeld flankt er mit rechts in den Strafraum, doch Klose kann den Ball nicht unter Kontrolle bringen. Zwei Minuten später gelingt ihm ein Flankenwechsel über 40 Meter zu Sebastian Deisler.

Doch kurz darauf zeigt sich auch, warum Hitzlsperger für die Position in der Abwehr nicht die Idealbesetzung ist: Es ist die Defensive, die ihn überfordert. Erst läuft Marek Mintal unbehelligt in seinem Rücken davon, später auch Holosko. Das zweite Tor der Slowaken fällt ebenfalls über seine Seite. Karhan steht völlig frei, allerdings sieht sich Hitzlsperger in dieser Situation zwei Gegenspielern gegenüber – und entscheidet sich für den falschen.

Seine Stärken kann Hitzlsperger als Außenverteidiger nur bedingt ausspielen. Bei Ecken für seine Mannschaft hält er sich im Rückraum auf, um Abpraller abzufangen. Wegen seines harten Schusses wurde Hitzlsperger in England "The Hammer" genannt. Nach einer Viertelstunde erobert er kurz vor dem slowakischen Strafraum den Ball und schießt sofort. Der Ball fliegt jedoch hoch über das Tor.

Für Flankenläufe ist Thomas Hitzlsperger zu langsam. Dieses Defizit macht sich im Laufe des Spiels immer stärker bemerkbar. Hitzlsperger fehlt der explosive Antritt. Kurz vor der Pause läuft ihm Robert Vittek davon und leitet eine weitere gefährliche Situation für die deutsche Abwehr ein. Es ist die letzte Aktion für Thomas Hitzlsperger. Nach der Pause kehrt er nicht auf den Platz zurück. Eine Stunde nach dem Anpfiff nimmt Marcell Jansen seine angestammte Position ein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben