Thomas Schaaf : Das verflixte 14. Jahr

Bei Werder Bremen ist nichts mehr, wie es war: Trainer Thomas Schaaf steht zunehmend in der Kritik.

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Ich weiß es doch auch nicht. Bremens Trainer Thomas Schaaf wirkt in seinem 14. Jahr beim SV Werder bisweilen ratlos. Kritiker fordern bereits einen Neuanfang ohne ihn. Foto: dpa
Ich weiß es doch auch nicht. Bremens Trainer Thomas Schaaf wirkt in seinem 14. Jahr beim SV Werder bisweilen ratlos. Kritiker...Foto: dpa

Als Thomas Eichin Ende 2012 bei Werder Bremen als neuer Sportdirektor vorgestellt wurde, war die Welt an der Weser noch halbwegs in Ordnung. Werder überwinterte zwar nur auf Platz zwölf, aber der Abstand zu einem Europa- League-Platz betrug gerade vier Punkte. Das Saisonziel, im internationalen Geschäft dabei zu sein, war noch in Reichweite. Werders Verantwortliche verteilten Vorschusslorbeeren an den neuen Manager, dieser pries den Club als einen der besten in Deutschland. Vor dem heutigen Spiel bei Fortuna Düsseldorf ist die Europa League dagegen kein Thema mehr. Bis zum Relegationsplatz sind es noch fünf Zähler, Werder steckt im Abstiegskampf.

Eichin war bei seiner Vorstellung auch nach Klaus Allofs gefragt worden. Ob er keine Angst habe, ein solch schweres Erbe anzutreten? Eichin verneinte und lobte seinen Vorgänger überschwänglich. Der Haken an der Sache ist, dass man die Frage unterschiedlich interpretieren kann. Ist es deshalb schwer für Eichin, weil Allofs Werder einst als Dauergast in der Champions League etablierte? Oder ist es schwer, weil Klaus Allofs vor seinem Wechsel zum VfL Wolfsburg überwiegend danebenlag mit seinen Personalentscheidungen und der Club inzwischen rote Zahlen schreibt?

Man kann sich nur verneigen vor dem, was Allofs in Bremen aufgebaut hatte. Und es gehört sich nicht, einem solch verdienten Mann Böses nachzusagen. Also lobten Werders Bosse „den Klaus“ und unterschlugen dabei, dass dieser zuletzt kaum noch Spieler geholt hatte, die Werders hohen Ansprüchen genügten: Die Fans rätseln zum Beispiel, was Bremen mit Joseph Akpala anzufangen gedenkt. Sie mögen Assani Lukimya, aber seine haarsträubenden Fehler machen sie wahnsinnig. Regelmäßig pfeifen die Anhänger Eljero Elia aus und äußern Zweifel an Torhüter Sebastian Mielitz. Die Fans vermissen einen dominanten Sechser mit Defensiv- wie Offensivqualitäten. Und sie diskutieren, ob Thomas Schaaf noch der richtige Trainer ist – zumal er an den Personalentscheidungen beteiligt war.

Die fehlende Balance zwischen Offensive und Defensive war schon immer das Problem unter Schaaf. Früher war das egal, da bügelte die Offensive die Fehler der Defensive aus. Heute wird vorne mehr gerumpelt als gezaubert und den 54 Gegentreffern stehen lediglich 43 eigene Tore entgegen. Fairerweise muss man sagen, dass es Schaaf in dieser Saison gelungen ist, einige Spieler besser zu machen. Als da wären die Fußballarbeiter Zlatko Junuzovic und Aleksandar Ignjovski. Andere jedoch, die aufgrund ihrer Veranlagung den Unterschied machen könnten, wie Elia oder Arnautovic, enttäuschen oder spielen nicht konstant. Dass sich Werders Fußballer so oft in ihr Schicksal ergeben, ist eine Frage des Teamgeists, für den auch der Trainer verantwortlich ist. Den Hinweis auf die ach so junge Mannschaft und den zu Saisonbeginn vollzogenen Umbruch kann nun wirklich keiner mehr hören in Bremen.

Es scheint fast, als müsse man den Umbruch vom Umbruch wagen. Zumal der von Chelsea ausgeliehene de Bruyne so gut wie weg ist und Sokratis ebenfalls mit einem Wechsel liebäugelt. Eichin hat unlängst erklärt, Werder müsse verstärkt erfahrene Spieler holen, verwies andererseits darauf, wie wichtig es sei, Nachwuchsspieler ins Team zu integrieren.

Die starken Männer bei Werder sind Aufsichtsratschef Willi Lemke und Vorstandsmitglied Klaus-Dieter Fischer. Von ihnen hat Schaaf nichts zu befürchten. Auch Eichin steht noch zum Trainer. Man halte an ihm fest, so Eichin, weil man von seiner Arbeit überzeugt sei. Es dürfte eine der spannendsten Fragen sein, ob der Manager einen Plan B in der Tasche hat. Ob er die Machtverhältnisse innerhalb des Klubs sorgsam auslotet, sich in der Trainerfrage anders positioniert und damit auf Konfrontationskurs geht.

Werders Loyalität für Schaaf galt jahrelang als positives Beispiel. Aber ein neuer Coach könnte ein wichtiger Baustein sein beim Neuanfang, den Werder dringend braucht. Allerdings will ein neuer Trainer nach der 14-jährigen Ära Schaaf mehr als sorgsam ausgesucht werden. Werder hat schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, als man Mitte der Neunziger lange keinen passenden Trainer nach der Ära Rehhagel fand. Vielleicht schrecken sie in Bremen auch deshalb davor zurück, sich von Schaaf zu trennen. Sven Bremer

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