Sport : Thomas Schinko wechselt von der Jaffèestraße zum Ostklub

Claus Vetter

Dieser Tage kann sich Thomas Schinko vor Interviews kaum retten. Die Fragen kreisen freilich meist nur um ein Thema: Acht Jahre lang hat Schinko an der Jafféstraße gestürmt, dabei laut eigener Aussage inklusive Freundschaftsspiele rund 50 Lokalderbys miterlebt. Allerdings immer nur auf der einen Seite, bei den Preussen und später den Capitals. Seit Anfang dieser Saison trägt der 30-Jährige das Trikot der Eisbären, die heute die Capitals zum ersten Derby dieser Saison empfangen (15 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen). "Was soll ich zu meiner Zeit bei den Capitals noch sagen", meint Schinko, "das ist abgehakt. Als Profi interessiert nun mal nur das Tagesgeschäft. Man erinnert sich noch an die schönen Sachen, vergisst das Negative."

Negative Erlebnisse gab es für Schinko in der letzten Saison bei den Capitals zuhauf. Meist durfte er unter Ex-Trainer Dale McCourt nur in der vierten Reihe spielen, kam dort nur zu Kurzeinsätzen. "Da denkst du nur noch an deine eine Aufgabe. Die heißt: bloß kein Tor kassieren." Bei den Eisbären hat Schinko in dieser Saison weit mehr Arbeit, auch wenn er bei Bestbesetzung ebenfalls in der vierten Sturmformation agiert. Nun muss er nicht nur Tore verhindern, sondern darf auch wieder welche schießen. Immerhin drei Mal hat Schinko in dieser Saison schon getroffen, drei Mal häufiger als in seinem letzten Jahr in Charlottenburg. "Das Problem bei den Capitals war, dass ich da in eine gewisse Schublade passte. Der ist pflegeleicht, hieß es, mit dem kann man machen, was man will". Die Zeit für eine Luftveränderung sei daher überfällig gewesen. Letztes Jahr um Weihnachten herum habe er sich einen Spielervermittler gesucht. Bereits im Mai war der Wechsel zu den Eisbären perfekt. Vom Tabellenvorletzten zum Meiterschaftsdritten - ein steiler Aufstieg, habe er sich gedacht, erzählt Schinko.

Nach den ersten Wochen dieser Saison hat sich das nur für Schinko, aber noch nicht für seine Mannschaft bestätigt. Die Statistik fällt für die Eisbären vor der heutigen Partie nicht freundlich aus: Der Dreizehnte empfängt den Tabellenführer. Kapitän Marc Fortier sieht trotzdem die Rollen nicht eindeutig verteilt. "Wir haben das Gefühl, dass die Capitals nicht stärker sind als wir", meint Fortier, "aber der Druck ist diesmal eindeutig auf unserer Seite, weil wir die drei Punkte dringend brauchen." Auch aus dem Munde von Peter John Lee sind keine spektakuläreren Worte zu entlocken. Allein davor, dass seine Mannschaft ein wenig "übermotiviert" zu Werke gehen könnte, hat der Trainer der Eisbären Angst. "Es ist doch nicht unbedingt so, dass es für die Capitals ein Nachteil sein muss, am Abend vorher zu spielen. Die Gefahr ist groß, dass die viel schneller ins Spiel finden als wir".

Thomas Schinko sieht es ähnlich, hat allerdings vor Übereifer keine Angst. "Bei einem Derby bist du immer konzentriert bei der Sache." Und - um doch die unausweichliche Frage zu stellen - vor allem wenn es gegen den ehemaligen Arbeitgeber geht? "Nein", sagt Schinko. Das jetzige Team der Capitals habe mit dem der letzten Saison wenig Gemeinsamkeiten. "Ich habe nur noch mit drei oder vier Spielern Kontakt, und die spielen auch nicht immer. Außerdem habe ich mir über das Derby wirklich nicht so viele Gedanken gemacht. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich bei den Eisbären so wohl fühle."

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