Sport : Thunder gegen alle

Berlins Footballteam tritt unter erschwerten Bedingungen zum Finale gegen Amsterdam an

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Eine Woche vor dem Pokalendspiel zwischen Bayern München und Dynamo Dresden verletzen sich Münchens Roy Makaay und Dresdens Ansgar Brinkmann. Der Deutsche Fußball-Bund teilt ihnen daraufhin Ersatz zu. Dynamo darf Johan Micoud von Werder Bremen im Finale einsetzen, Bayern bekommt Artur Wichniarek von Hertha BSC. Die Dresdener erhalten deshalb den besseren Ersatz, weil der Fußball mit Dauersieger Bayern München einseitig und damit schwer vermarktbar zu werden droht. Außerdem will der DFB den Ostklub Dynamo stark machen – in der Region gibt es kaum erfolgreiche Vereine. Dieses Szenario ist … völlig undenkbar!

Beim American Football ist es in sehr ähnlicher Form eingetreten. Vor dem heutigen Endspiel der NFL Europe, dem so genannten World Bowl (17 Uhr, live auf Premiere), in der LTU Arena in Düsseldorf haben sich jeweils drei Spieler der Finalisten verletzt. Berlin Thunder, dreimaliger Gewinner des World Bowls seit der Klubgründung 1999, fehlen heute drei Schlüsselspieler. Brain Johnson, Cal Murray und John Frieser hatten die gesamte Saison über in der Startformation gestanden. Als Ersatz wurden den Berlinern Joakim Holm und Ryan Atoe (Frankfurt) sowie Laurent Maceline (Düsseldorf) zugeteilt. Maceline und Atoe wurden in ihren Teams noch überhaupt nicht eingesetzt, Holm spielte wenig. Seit Anfang der Woche trainieren sie mit den Berlinern. Einzig der Schwede Holm wird heute vielleicht eingesetzt.

Mit Spielern von einer ganz anderen Qualität wurden die Amsterdam Admirals verstärkt. Quarterback Jason Fife (Düsseldorf) wird wahrscheinlich nicht spielen, dafür sind die starken Josh Buhl (Düsseldorf) und James Adkisson (Köln) echte Verstärkungen. Der Hintergrund dieser ungerechten Zuteilung ist wirtschaftlicher Natur: Der schwächste Standort der für die NFL ohnehin kostspieligen Liga ist Amsterdam. Mit 12 877 Zuschauern pro Spiel haben die Holländer den schwächsten Durchschnitt der Liga. Nur sind die Amsterdam Admirals derzeit der einzige nichtdeutsche Klub in der NFL Europe. Eine Schließung dieses Standortes würde dem Image der Liga erheblich schaden. Der Gewinn des World Bowls könnte Football in Amsterdam populär machen und den Zusammenbruch des Vereins verhindern.

„Wir sind Außenseiter“, sagt denn auch Thunders Manager Michael Lang. Sogar die Fans seien gegen die Berliner. 40 000 Zuschauer werden heute erwartet. „Die werden gegen uns brüllen“, glaubt Lang. Warum? „Weil wir so erfolgreich sind. Der FC Bayern des Footballs sozusagen.“

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