Sport : THW Kiel holt den Titel

Handball-Meister nach einem 36:30 in Düsseldorf

Hartmut Moheit

Berlin - Als das Spiel des THW Kiel in Düsseldorf gestern um 15 Uhr endlich angepfiffen wurde, herrschte auf dem Rathausplatz der Landeshauptstadt im Norden längst bierselige Stimmung. „Macht euch keine Sorgen, wir bringen die Meisterschale mit“, hatte Kiels Kotrainer Klaus-Dieter Petersen den 20 000 Fans versprochen, die bereits seit zwei Stunden vor der Großbildleinwand feierten. Etwa 1000 waren im Rheinland live dabei. 17:12 führte der THW zur Halbzeit, spätestens nach dem 23:16 in der 40. Minute hatten sich alle vorher angestellten Rechenspielchen erübrigt. Mit 36:30 beendete Kiel die Handball-Saison. Damit war der deutsche Meistertitel nach zwei Jahren der Erfolglosigkeit wieder gewonnen, der elfte insgesamt. Für die SG Flensburg-Handewitt blieb es bei Rang zwei, obwohl der Titelverteidiger und aktuelle Pokalsieger in Lemgo beim 34:31 (18:15) noch einmal die letzten Kräfte mobilisiert hatte. Nur ein Sieg der HSG Düsseldorf wäre von Nutzen gewesen. So aber wurde es zum sechsten Mal die Vizemeisterschaft für Flensburg.

Ausgelassen jubelten die Kieler Spieler nach dem Abpfiff, tanzten im Mittelkreis und kündigten dann ihr Zurückkommen nach Kiel für den Abend an. Bei der Übergabe der Meisterschale durch Präsident Ulrich Strombach vom Deutschen Handball-Bund (DHB) und Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann kullerten bei einigen Kielern angesichts einer Saison der Superlative sogar Freudentränen. „Das war über die gesamte Spielzeit die beste THW-Leistung, seit ich 1993 Trainer in Kiel wurde. Auf diese Mannschaft bin ich stolz“, schwärmte Trainer Zvonimir Serdarusic. 27 Spiele in Folge und 235 Tage blieben die Kieler ohne Niederlage.

Die Mannschaft sollte dann am Abend bereits zur Meisterfeier auf der Bühne in Kiel eintreffen. Dort wollten besonders die vier Abwanderer Johan Pettersson, Sebastian Preiß, Martin Boquist sowie Roman Pungartnik noch einmal bis in den Morgen feiern. Auch für die mit nach Düsseldorf gereisten treuen Fans war gesorgt. Da sie nicht rechtzeitig für die Feier am Sonntagabend zurück in Kiel sein konnten, hatten THW-Schatzmeister und Kapitän Stefan Lövgren die Mannschaftskasse geplündert. Die Mannschaft gibt heute in der Kieler Forstbaumschule 1000 Liter Freibier für alle mitgereisten Fans aus.

Mit lediglich sechs Minuspunkten in 34 Spielen kann der neue Deutsche Meister auf eine große Saison verweisen. Damit egalisierten sie den Bundesliga-Rekord des TBV Lemgo aus dem Jahr 2003.Für Manager Uwe Schwenker war die Saison ein besonderes Happyend: „Wir hatten die Mannschaft vor der Saison stark verjüngt. Da war mit dem Titel nicht unbedingt zu rechnen. Andere Teams waren personell stärker besetzt.“

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