THW Kiel : Unschlagbar gut

Der THW Kiel ist wieder Favorit in der Handball-Bundesliga, auch weil den Gegnern das Geld ausgeht.

Erik Eggers [Kiel]
Alles ist nicht genug. Die Handballer des THW Kiel feierten vergangene Saison das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Doch obwohl der Rekordmeister zuletzt schon jedes einzelne Bundesligaspiel gewann, will Kiel immer noch mehr.
Alles ist nicht genug. Die Handballer des THW Kiel feierten vergangene Saison das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions...Foto: dapd

Kein Handballprofi in der Bundesliga lacht häufiger als Anders Eggert. Der Linksaußen der SG Flensburg-Handewitt feixt stets wie ein kleiner Junge über ein Tor, und auch sonst gilt der Däne als Spaßvogel. Nur so ist verständlich, was Eggert vor ein paar Tagen in der Kieler Arena von sich gab, just als die SG mit einem 16:16 (nach 40 Minuten) gegen den THW Kiel den „Unser Norden“-Cup in der Gesamtwertung vor Kiel und Aalborg gewonnen hatte. „Es macht natürlich Spaß, in Kiel zu gewinnen – daran müssen sich die Kieler gewöhnen“, sagte Eggert. Die Lacher waren ihm sicher.

Schließlich geht der THW Kiel auch in diesem Jahr als turmhoher Favorit in die Saison und untermauerte dies am Dienstag in München mit einem 29:26-Erfolg gegen Flensburg im Supercup. Am Samstag, wenn das Team von Alfred Gislason in Gummersbach in die Bundesliga einsteigt, rechnen alle Experten mit einem Ausbau der unfassbaren Siegesserie, die nach dem 4. Mai 2011in Magdeburg begann – und die mit einem makellosen 68:0-Punkterekord endete, der Krönung des Triples aus Champions League, Pokal und Meisterschaft. Eine solche Serie zu wiederholen, sei „nicht unmöglich, aber sehr, sehr schwierig“, sagt Gislason. Der 52-jährige Isländer baut weiter auf die Siegermentalität seiner Profis um Torwart Thierry Omeyer, der in London mit Frankreich zum zweiten Mal in Folge Olympiasieger wurde. Auch Linksaußen Dominik Klein macht deutlich, dass Kiel den Rekord unbedingt ausbauen will. „Ich überlege mir sehr gern neue Antworten, wenn wieder die gleichen Fragen danach kommen“, sagt der Weltmeister von 2007.

Der THW hat zwar den Abgang von Rückraumspieler Kim Andersson zu verkraften, der von den Kollegen zum besten Profi der Liga gewählt wurde. Aber der Serbe Marko Vujin (aus Veszprem), der die Lücke schließen soll, ist ebenfalls ein Hochkaräter. Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson (aus Kopenhagen) passt mit seiner Siegesmentalität hervorragend in das Team. Und auch um die Kreisläufer Rene Toft Hansen (Kopenhagen) und Patrick Wiencek (Gummersbach) hatte sich die Branche gerissen.

Womöglich wird der THW in dieser Saison irgendwann gegen einen deutschen Klub verlieren – aber daran, dass der Rekordmeister (17 Titel) auch in den kommenden Jahren die Liga dominieren wird, zweifelt niemand. Denn der Branchenführer baut seinen Etat (offiziell 9,5 Mio. Euro) auf eine breite Fanbasis (seit 1986 sind alle Heimspiele ausverkauft) und viele lokale und regionale Sponsoren – der Trikotsponsor steuert mit rund 880 000 Euro jährlich nicht einmal zehn Prozent zur Finanzierung bei. Nahezu alle Konkurrenten, die in den letzten Jahren Angriffe auf den THW gestartet hatten, gerieten hingegen in heftige ökonomische Turbulenzen. Oder sie kämpfen noch um ihre Existenz.

Der Meisterschaftszweite Flensburg hatte schon vor drei Jahren drastische Einschnitte bei den Spielergehältern machen müssen. Nun hat Flensburgs Geschäftsführer Dierk Schmäschke öffentlich erklärt, er wisse noch nicht, wie der Etat über sechs Millionen Euro zu stemmen sei. Dramatischer ist die Lage offenbar beim HSV Hamburg, weil der Mäzen und Mehrheitsgesellschafter Andreas Rudolph offensichtlich seine Drohung in die Tat umsetzt, etwaige Defizite nicht mehr per Blitzgiro auszugleichen. Nun sollen die Profis, die nicht schon Gehaltseinbußen hinnehmen mussten, sich an dieser Konsolidierung mit einer Kürzung um 20 Prozent beteiligen.

Auch der TBV Lemgo und die Rhein Neckar Löwen mussten ihre Träume, sich mit den Kielern messen zu wollen, bitter bezahlen. „Es ist eine Sünde, dass einzelne Leute den Sport mit ihrem Geld kaputt machen“, kritisierte THW-Geschäftsführer Klaus Elwardt das Modell, bei der Finanzierung nur auf einen Mäzen zu bauen. Und das war, anders als bei Eggert, keinesfalls als Witz gemeint. Denn wenn sie sich in Kiel nicht zu Tode siegen wollen, brauchen sie schlagkräftige Konkurrenz. Was ist eigentlich mit den Füchsen aus Berlin?

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