Ticker von der DFB-Pressekonferenz : Und gleich gibt es Kuchen!

Der DFB lud erneut zur Pressekonferenz. Nach vierzig Minuten erzwungener Antworten wissen wir nun immerhin, dass Khedira sich in Danzig wohl fühlt und Müller seit 2010 zwei Jahre älter geworden ist. Danke!

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Alles im Griff: Sami Kedhira im Mannschaftstraining.
Alles im Griff: Sami Kedhira im Mannschaftstraining.Foto: AFP

13:05 Uhr

Ganz zum Schluss, als finaler Akkord dieses Wortsturms, bevor es jetzt doch noch Kuchen gibt, wird noch eine These in den Presseraum gedrückt. Ist Deutschland jetzt, nach dem Aus der Polen und Ukrainer, der Ersatzgastgeber? Gut, denkt man da, dass es erst gleich Kuchen gibt, sonst wäre der ein oder andere bestimmt an einem Streusel erstickt. Müller aber bewahrt Haltung und sagt: "Wir freuen uns auf eine breite Unterstützung." Nun aber Kuchen. Was aber bleibt? vielleicht folgendes: Der Nährwert eines Stücks Aprikosenkuchen liegt bei etwa 266 Kilokalorien. Der Mehrwert dieser Presskonferenz hingegen bei etwa Null.

13:00 Uhr

Nun könnte man es durchaus dabei belassen. Nur wird Sprachlosigkeit anders als Torlosigkeit hier nicht akzeptiert. Deshalb muss Müller jetzt in rascher Reihenfolge Fragen aus dem Bereich "Aus aller Welt" beantworten. Das nicht gegebene Tor der Ukrainer? - "Jo, mai. So ist Fußball." Guardiola zu Bayern? - "Ein guter Trainer!" So kann man auch die Leere füllen, die ansonsten hier entstehen würde. Wann haben wir verlernt, auch einmal gemeinsam zu schweigen?

12:58 Uhr

Lange hatte man ja das Gefühl, dass dieser Müller gar nicht anders kann, als immer nur zu lächeln. Ein freundlicher Bub, sagen schließlich auch die Omas, die er so gerne grüßt. Ein freundlicher Bub, finden aber auch alle anderen Omas, finden selbst die Sportreporter, die sonst wenig geben auf die Einschätzung irgendwelcher Omas. Heute aber ist die Freundlichkeit, dieser entwaffnende Müller-Humor nur Fassade. Das spüren auch die Journalisten. "Er wirkt angespannt", sagt der Mann von Sport1. Eine Einschätzung, die durchaus treffend ist. Hinter dem Lächeln des Rhetorikkurs-Absolventen, des Werbemüller brodelt es ganz offensichtlich. Und schließlich platzt es aus ihm heraus. Einfach so. "Bei der Berichterstattung müssen wir uns ja fast schämen, wenn wir dieses Turnier gewinnen", sagt er nun. Das Müllermilchgesicht entglitten. Klare Ansage an die Journalisten, die damit wenig anfangen können. Einen harten, sogar medienkritischen Müller haben sie noch weniger erwartet als die Griechen im Viertelfinale.

12:55 Uhr

Es geht nun um die Last, als Torschützenkönig einer WM bei dieser EM noch ohne Tor zu sein. Das hat nun schon Schreinemakers-Niveau, psychologisiertes Nachbohren im Urschleim der Seele. Klingt schon wieder nach Pressekonferenz der FDP im Saarland. Aber Müller, der sich noch genug 2010er-Jugendlichkeit behalten hat, spricht ganz offen. "Natürlich muss ich das Tor machen." Entwaffnende Ehrlichkeit gepaart mit einem, naja, entwaffnenden Lächeln. Schließlich einigen sich Müller und die Journalisten auf den Kompromiss, dass er (Müller) ja Mittelfeldspieler und kein Mittelstürmer ist, weshalb auch Torlosigkeit akzeptiert werden kann.

12:51 Uhr

Nächste Kostprobe. "Was hat sich für Sie seit 2010 geändert?" Nun grinst Müller sein Müllermilch-Lächeln, wartet noch kurz, grinst, sagt dann, genussvoll fast: "Ich bin zwei Jahre älter geworden, aber ich hoffe äußerlich sieht man das nicht." Jede Frage bekommt eben die Antwort, die sie verdient. Und jeder Müller auch die Bühne, die er verdient.

12:48 Uhr

Nun aber Thomas Müller. Der Anti-Khedira, der Oma-Grüßer, der Lausbub der deutschen Mannschaft. Soll jetzt auch was sagen, zum Abwehrbollwerk der Griechen, klopft aber nur Khedira auf die Schulter und sagt dann: "Da hast Du doch schon alles zu gesagt, oder." So einfach ist das. Thomas Müller ist eben auch sein eigener Rhetorik-Kurs.

12:45 Uhr

Aber richtig böse sein, kann man dem Sami dann auch nicht. Was soll er anderes sagen, bei diesen Fragen. Nun muss er auch noch etwas zu Bayern und Guardiola sagen. Ein Schwabe, der bei Real Madrid spiel, soll nun einschätzen, ob das passen würde, ein Katalane in München. Das ist, als ob man jemanden von der jungen Union in Kiel anruft, um ihn zur Lage der FDP im Saarland zu befragen.

12:40 Uhr

Jetzt aber der Versuch, ihm mal richtig auf den Zahn zu fühlen. Die Stürmerdebatte. Klose gegen Gomez. Hartes Zeug. Unangenehm. Doch Khedira lässt sich nicht locken. Nun greift doch wieder der DFB-Rhetorikkurs. Und so sagt Khedira tatsächlich: "Wir vertrauen dem Bundestrainer." Lupenreine Schablonen-Antwort. Gescripted, austauschbar. Hätte so auch Lars Bender sagen können, oder der Lahm oder einer der anderen Fußsoldaten. Und so bleibt neben vielen Fragezeichen nun vor allem eine Sehnsucht zurück. Die Sehnsucht nach den Typen. Werde nachher mal wieder Ansgar Brinkmann anrufen. Einfach so. Dem vertraue ich.

12:38 Uhr

Weiterhin das gewohnt lustige Frage-Antwort-Spiel. Khedira nun mit Ausführungen wie sie sonst nur früher im Steckbrief der Bravo Sport zu finden gewesen wären. "Ich fühle mich sehr wohl hier in der Nationalmannschaft." Oder: "Ich bin gerne hier." Wahnsinn. Sami Khedira, 23, Lieblingstier: Pferd. Lieblingsfarbe: Weiß, wenn das eine Farbe ist. Hobbys: Freunde und Kino. Und ich esse gerne Eis. Antworten präsentiert von Lenol.

12:36 Uhr

"Keine Wortmeldungen hier", verkündet Harald Stenger und freut sich schon wie sonst nur im All-Inclusive-Urlaub in Antalya, wenn es noch frittierte Schokoriegel am Buffet gibt. Wird dann aber jäh aus diesem Gemütszustand gerissen. Natürlich von einer Wortmeldung: "Wie knackt man so ein Abwehrbollwerk wie die Griechen, Herr Khedira?" Khedira überlegt kurz und antwortet dann wie er auch auf die Frage "Wie übersteht man eine solche Pressekonferenz?" antworten würde: "Mit Geduld."

12:34 Uhr

"Wir hatten zu viele Lücken was zwischen Abwehr und Sturm angeht", sagt Khedira nun. Will damit eigentlich erklären, warum er gegen die Dänen so viel laufen musste. Erklärt aber eher, warum die deutschen Nationalspieler vor solchen Turnieren extra Rhetorikkurse besuchen müssen. Sonst sind da einfach zu viele Lücken was Gedanken und Äußerungen angeht.

12:33 Uhr

Wichtig ist jetzt, dass Sami Khedira erst einmal ein paar Worte über Griechenland verliert, den, so sagen das die Journalisten, "nicht zu erwartenden Gegner." Khedira fällt zu den Griechen aber jetzt nicht so viel ein. Er hatte sie als Gegner schließlich so nicht erwartet.

12:30 Uhr

Willkommen also zur Pressekonferenz. Mit Harald Stenger und Sami Khedira. Bevor aber Sami Khedira zu Wort kommt, gibt es "vorab noch was zu sagen", verkündet Stenger. Sagt dann, was noch gesagt werden muss. Zum Ersten, dass "wir uns freuen, die Anschela Merkel zum Spiel begrüßen zu dürfen." Er sagt wirklich Anschela, oder auch: Anjela. Egal. Denn Nachricht zwei ist ohnehin wichtiger: "Nachher gibt es noch Kuchen!" Danke an Harald Stenger, bzw. Stenscher.

12.15 Uhr: Vielleicht hat Sami Khedira in unserem Interview alles gesagt. Vielleicht auch nicht. Deshalb behalten wir ihn auch bei der DFB-Pressekonferenz im Auge, die in wenigen Minuten beginnt.

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