Sport : Tickets beim Discounter

Wie Thunder Football in Berlin etablieren will

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Zwei Zuschauer sitzen am Rande des Rasens, auf dem Berlin Thunder trainiert. Ein dritter Beobachter kommt an diesem sonnigen Vormittag herübergeschlendert. Es ist Dick van Burik, Abwehrspieler von Hertha BSC. Thunder und Hertha trainieren nebeneinander auf dem Vereinsgelände des Fußball-Bundesligisten. Herthas Training schauen sich etwa vierzig Fans an. Da kann Thunder nicht mithalten. Am vergangenen Sonntag gegen die Hamburg Sea Devils aber kamen offiziell 30 657 Zuschauer ins Olympiastadion. „Das sind ja mehr als bei uns“, scherzt van Burik – das Uefa-Cup-Spiel gegen Odense in dieser Saison sahen nur 12 814 Fans. Mit Hertha wollen sie sich bei Thunder noch nicht messen. Langfristig versuchen sich die Footballer allerdings, als zweite Sportart hinter dem Fußball in Berlin zu etablieren – mit nur fünf Heimspielen pro Jahr ist das aber wohl nicht ganz einfach.

„Wir sind nicht so naiv zu glauben, dass jetzt immer 30 000 kommen“, sagt Geschäftsführer Joe Cealera. Für das zweite Heimspiel in dieser Saison gegen Amsterdam (heute, 18 Uhr, Olympiastadion) wären für Cealera 15 000 Fans bereits ein Erfolg, „weil Amsterdam leider kein Magnet ist“. Für die außergewöhnlich hohe Besucherzahl aus der vergangenen Woche haben sie bei Thunder mehrere Erklärungen. Die Marketing-Abteilung konzentrierte sich, anders als in den vergangenen Jahren, vor allem auf den ersten Spieltag. In der abgelaufenen Saison steigerte sich die Besucherzahl im Laufe der Saison, der Durchschnitt lag am Ende bei 13 800.

Von größerer Bedeutung dürfte aber etwas anderes gewesen sein: 12 000 Fans wurden durch eine Aktion mit dem Lebensmittel-Discounter Lidl angelockt. Wer dort für mehr als 50 Euro einkaufte, der bekam zwei Karten dazu. „Dadurch haben wir auch etwa 100 000 Euro eingenommen“, sagt Cealera. Freikarten seien nicht verteilt worden. Und Aktionen wie die mit Lidl seien nicht mehr geplant. „Wir wollen mal sehen, wie viele Berliner bereit sind, ganz normal Eintritt zu bezahlen“, sagt Cealera. Gerüchte, dass Thunder eine zu hohe Zuschauerzahl angegeben habe, dementiert der Geschäftsführer. „Wer im Stadion war, der konnte das sehen“, sagt er.

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