Sport : Tief durchatmen

Frank Bachner

sagt, warum es für Hysterie keine Medaillen gibt Natürlich war viel Ironie dabei, als Stev Theloke kurz vor den Olympischen Spielen in Athen verkündete: Die Deutschen Schwimmer holen keine Medaille. Aber die Botschaft des Olympia-Dritten von 2000 über 100 m Rücken war klar: Liebe Fans, macht euch mal nicht zu viele Hoffnungen auf mehr Schwimm-Medaillen als bei den Spielen in Sydney. Da gab’s dreimal Bronze. Und jetzt könnte man schon den Eindruck bekommen, Theloke habe den Kern besser getroffen, als ihm selber klar war. Die Freistil-Staffel der Frauen verpasst Bronze, die fünfmalige Weltmeisterin Hannah Stockbauer kommt nicht mal ins 400-m-Finale, Journalisten reden schon von „Super-GAU“ und „Versager“, in Boulevardzeitungen wird van Almsick hart attackiert. Deshalb sollte man Stev Theloke ruhig ein bisschen ernst nehmen, tief durchatmen, um dann festzustellen: Die Wettkämpfe in Athen laufen seit zwei Tagen. Was soll die Hysterie?

Andererseits hat Ralf Beckmann, der Chef-Bundestrainer der deutschen Schwimmer, einen Anteil an dieser Stimmung. Er redete von sechs „engen Medaillenkandidaten“, er erklärte die Freistil-Staffel zum Goldkandidaten, obwohl andere Trainer höchstens auf Bronze hofften. Er erzeugte eine übertrieben große Erwartungshaltung.

Es ist zwar richtig, dass van Almsick in der Staffel schlecht schwamm. Aber richtig ist eben auch, dass ihr wichtigstes Rennen erst am Dienstag stattfindet, wo sie über 200 m Freistil Gold gewinnen will. Wer die bisherige Leistung jetzt überbewertet, leistet seinen kleinen Beitrag dazu, dass morgen ein Nervenbündel die ersehnte Goldmedaille verpasst.

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