Sport : Tiefer Fall

Die fünfjährige Schadensbilanz der BVB-Aktie

Felix Meininghaus[Dortm]

Am liebsten würde Hans-Joachim Watzke über das düsterste Kapitel in der fast hundertjährigen Geschichte von Borussia Dortmund gar nicht sprechen: „Können wir nicht über ein anderes Thema reden?“, fragt der Geschäftsführer des BVB. Doch er kommt nicht drumherum, schließlich ist die BVB-Aktie in diesen Tagen wieder ein Thema. Heute jährt sich zum fünften Mal der Tag, an dem Borussia Dortmund als erster Verein in Deutschland an die Börse ging.

Es war der 31. Oktober 2000, als Gerd Niebaum und Michael Meier, damals Präsident und Manager beim BVB, die Aktie unter großem Mediengetöse an der Düsseldorfer Börse einführten. Niebaum sagte angesichts der 150 Millionen Euro, die in die Kasse gespült wurden, der BVB sei „nun einer der wohlhabendsten Sportvereine der Welt“. Dabei verschwieg er, dass rund die Hälfte des frischen Kapitals dazu verwendet werden musste, um die vorhandenen Löcher zu stopfen.

Von der Euphorie ließen sich viele Fans und Freunde des westfälischen Traditionsvereins anstecken. Auch Watzke, der zwar damals „ein leichtes Bauchgrummeln“ verspürte, sich aber „aus Verbundenheit“ mit Aktien „im höheren vierstelligen Bereich“ versorgte. Keine gute Anlage, denn schon am ersten Tag fiel das Papier, das mit elf Euro ausgegeben worden war, auf 10,06 Euro. Der folgende Absturz ging einher mit einer im deutschen Profifußball einmaligen Misswirtschaft. Selbst in Jahren, als der BVB Meister wurde und in der Champions League Millionen scheffelte, gaben Niebaum und Meier erheblich mehr aus, als sie einnahmen. Ein teurer Kader – allein der brasilianische Torjäger Marcio Amoroso wurde mit 4,5 Millionen Euro jährlich entlohnt –, der schlecht finanzierte Stadionausbau und rote Zahlen auf fußballfernen Geschäftsfeldern wie Textilien, Reisebüro, Internet oder dem vereinseigenen Hotel summierten sich zu einem Schuldenberg, der den BVB im vorigen Jahr fast in den Konkurs getrieben hätte.

Je höher sich die Verbindlichkeiten auftürmten, desto tiefer rutschte die Aktie. Bis auf 1,82 sank das Papier, heute wird es mit knapp 2,30 Euro notiert. Für Watzke und seinen Mitstreiter Reinhard Rauball, die den anspruchsvollen Auftrag übernommen haben, den BVB wieder flott zu machen, gilt es in erster Linie, „das Vertrauen zurückzugewinnen“. Eine Maßnahme zur Konsolidierung ist das Bemühen, „unsere bilanziellen Verbindlichkeiten von 89 Millionen Euro langfristig umzuschichten“, sagt Watzke. Durch das Umschulden soll das enge Korsett der Sanierungsmaßnahmen gelockert werden und der BVB mehr Luft zum Atmen erhalten. Eine junge Mannschaft mit Perspektive und das Publikum sollen ein Übriges tun, „dass der Kurs mittelfristig wieder nach oben geht“. Angesichts von 80 000 Zuschauern beim 2:1 gegen Gladbach glaubt Watzke an eine gute Zukunft: „Bei allen Problemen – Borussia Dortmund bleibt eine werthaltige Marke.“

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