Sport : Tiki-Taka- Diplomatie

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Sepp Blatter, der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, hat sich in seinem Leben eine ganze Reihe von Träumen erfüllt. Sein letzter aber, so schien es bisher, würde für immer unerfüllt bleiben: der Traum vom Friedensnobelpreis für die Fifa oder – noch besser – für sich selbst. Der Fußball, so lautet Blatters Mantra, verbindet die Menschen, anstatt sie zu spalten. Das müsse doch entsprechend honoriert werden.

Vermutlich fühlt sich Blatter dem großen Ziel seit gestern wieder ein entscheidendes Stück nähergekommen. Der Fifa- Chef war Ehrengast, als die Fußballverbände der beiden zyprischen Teilstaaten ein Abkommen besiegelten, das den Weg zu ihrer Wiedervereinigung weist. „Die beiden Verbände Zyperns zeigen der Welt heute eindrucksvoll, wie der Fußball Brücken schlagen und die Menschen nach langwierigen Konflikten zusammenführen kann“, bekundete Blatter anschließend. Dass der Fußball Menschen nach langwierigen Konflikten zusammenführen kann, stimmt insofern, als auch Blatters Gegenspieler Michel Platini dem freudigen Ereignis beiwohnte. Aber sonst?

Der Fifa-Chef, der schon qua Amt verpflichtet ist, die Rolle des Fußballs zu überhöhen und seinen Einfluss zu überschätzen, verwechselt im konkreten Fall zwei wichtige Dinge: Ursache und Wirkung. Dass die Wiedervereinigung der zyprischen Fußballverbände die Wiedervereinigung des Landes quasi vorwegnimmt, dass die Politik dem Fußball nur folgen muss – das ist einfach Humbug. Die Annäherung der Fußballverbände ist eher Symptom dafür, dass sich das Verhältnis zwischen Griechen und Türken auf Zypern normalisiert hat. Dieser Prozess ist seit Jahren im Gange.

Mag sein, dass der Fußball schneller zu konkreten Ergebnissen kommt als die große Politik. Die Vereinigung zweier vormals verfeindeter Teilstaaten ist allerdings auch ein wenig komplizierter als die Vereinigung zweier Fußballverbände.

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