Tiki-Tempo : Xavi entzaubert Pirlo

Das EM-Finale zwischen Spanien und Italien war auch das Duell der Spielmacher. Spaniens Xavi übertrumpfte den hochgelobten Andrea Pirlo dabei deutlich. Dabei galt er schon fast als Auslaufmodell.

Kampfkunst. Statt wie bisher offensiv zu zaubern, hat Andrea Pirlo (r.) defensiv alle Hände voll zu tun mit Xavi.
Kampfkunst. Statt wie bisher offensiv zu zaubern, hat Andrea Pirlo (r.) defensiv alle Hände voll zu tun mit Xavi.Foto: AFP

Schade, dass Bastian Schweinsteiger nicht mehr mitspielt bei dieser EM. Der Bayern-Spieler verschleppte sich durch das Turnier und spielte Fehlpässe, die so wenig Form hatten wie er selbst. Im Finale hätte er die Kritiker auskontern können – so wie es Xavi tat. Der Spielmacher der Spanier galt als Inbegriff des endlosen Ballgeschiebes der Spanier, im Halbfinale gegen Portugal kam erst Tempo auf, als er das Spiel verließ. Der 32-Jährige schien ein Auslaufmodell zu sein, wie das Tiki-taka an und für sich.

Und dann das: Spanien spielt gerade in Halbzeit eins die flotteste Partie des Turniers – das 4:0 gegen Irland läuft außer Wertung – und Xavi drückt unentwegt aufs Gas. Die erste große Chance des Spiels hat der kleine Mann vom FC Barcelona mit einem Weitschuss, vor dem Führungstor legt er mit einem schnellen Zuspiel Andres Iniesta seinen steilen Traumpass auf Cesc Fabregas nahe. Und dass Xavi immer noch das Patent auf solche Zuspiele besitzt, zeigte er, als er Jordi Alba vor dem 2:0 auf die Reise schickte. Und in der zweiten Hälfte Torres zum 3:0 sprinten lässt.

Den Ball hatte zuvor Andrea Pirlo im Spielaufbau verloren. Der Italiener war schon zum künstlerischen Leiter der EM geadelt worden, Joachim Löw hatte aus Angst vor seinem Freigeist alle Überzeugungen geopfert. Aber im Duell der Spielmacher mit Xavi wirkt Pirlo wie eine Schweinsteiger-Kopie. Für den 33-Jährigen läuft im Finale vieles – an ihm vorbei. Seine gefürchteten Standards verbreiten so viel Gefahr wie die der Deutschen. Und das obwohl die Spanier keinen Bewacher auf ihn abstellen. Aber der Mann von Juventus Turin hat selbst mehr mit der Defensivarbeit zu tun, als ihm lieb sein kann. Mit dem Stemmen des EM-Pokals hat er, anders als Xavi, dann gar nichts mehr zu tun. Tsp

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