Tim Borowski beim FCB : Die zentrale Frage

Tim Borowski verstärkt den FC Bayern. Doch er muss erst mal hart um einen Platz im Mittelfeld kämpfen. Allein Dribbelkünstler Franck Ribéry ist gesetzt. Der Ex-Bremer Borowski muss sich mit acht Kandidaten um drei freie Plätze in der Mitte des Feldes streiten.

Sebastian Krass[München]
Tim Borowski
Der Neu-Bayer Tim Borowski (r.) mit seinem Mannschaftskollegen Miroslav Klose. -dpa

Die Frage nach der Lederhose muss kommen – bei einem wie Tim Borowski. Für den FC Bayern München, der seinen neuen Mittelfeldspieler gestern erstmals den Journalisten präsentierte, kommt Borowski aus einer exotischen Region. Denn ob einer in Neubrandenburg aufgewachsen ist und die vergangenen zwölf Jahre in Bremen gelebt hat oder direkt aus Brasilien kommt, macht im hiesigen Weltbild keinen großen Unterschied. Beides ist sehr, sehr weit weg.

Doch Borowski lässt sich nicht in die Exotenrolle drängen. Er verweist darauf, dass er sich schon seit zwei Wochen in der Stadt einlebe und einige Kontakte hier habe. Das mit der bayerischen Traditionskluft schrecke ihn nicht. Spätestens beim obligatorischen Mannschaftsausflug zum Oktoberfest wird er in eine Lederhose schlüpfen müssen. „Natürlich war das auch schon ein Thema“, sagt Borowski. „Aber die wird mir stehen, da mache ich mir keine großen Gedanken.“

So kennt man ihn: Selbstbewusst und eloquent stellt Borowski sich den Medien. Fragen nach den unvermeidlichen Diskussionen und Anfeindungen, wenn einer von Werder zu den Bayern geht, pariert er mit Phrasen wie „Thema abgeschlossen“ und „so ist das Profigeschäft“. Doch was machen die Schweißperlen auf seiner Stirn? Ist Borowski etwa aufgeregt? Wohl kaum, ihm ist einfach nur warm im Licht der gleißenden Scheinwerfer – so wie jeder Spieler, der oben auf dem Podium Platz nehmen muss, schwitzt er.

Natürlich kommt die Sprache auch auf Borowskis sportliche Aussichten. Es ist ein brisantes Thema. Trainer Jürgen Klinsmann hat bereits verkündet, mit einem 4-4-2-System spielen zu wollen. Ein Platz im Mittelfeld ist ab September für den dann genesenen Franck Ribéry reserviert. Bleiben noch acht Kandidaten für drei Positionen: Mark van Bommel, Zé Roberto, Bastian Schweinsteiger, Hamit Altintop, José Ernesto Sosa, Toni Kroos, Andreas Ottl – und Borowski. Immerhin wechselt Klinsmanns Wunschspieler Aleksandar Hleb nun doch zum FC Barcelona. Angeblich haben die Bayernvorstände ihren Trainer in langen Diskussionen überzeugt, dass mit Hleb zu viele eigene Talente – und ein gerade verpflichteter Vielverdiener wie Borowski – kaltgestellt würden.

Der weiß um den enormen Konkurrenzdruck, dem er sich nun in München aussetzt. Er weiß auch, dass er zwar Klinsmanns Wertschätzung genießt („ein besonderer Spieler“), dass das aber kein Alleinstellungsmerkmal im Bayernkader ist. „Mein Vorteil ist, dass ich flexibel einsetzbar bin“, wirbt Borowski also für sich. „Ich kann die zentrale Position spielen, keine Frage. Aber ich denke auch, dass ich schon auf den Außenpositionen gute Spiele gemacht habe.“ Dann wagt er sich noch ein Stück weit hinaus ins offene Gelände: „Ich persönlich wünsche mir mehr eine zentrale Position.“ Doch vor ihm haben auch schon Zé Roberto und Kroos erklärt, dass sie sich im Herzen des Spiels sehen. Und ein paar Minuten nach Borowski sagt auch Hamit Altintop, bisher bei den Bayern der Mann für die rechte Seite, mit Verweis auf seine Auftritte bei der EM: „Bei einem neuen Trainer fängt jeder bei null an. Ich würde mir auch die Mitte zutrauen.“ Es sind bisher nur zaghafte Ansprüche. Sie lassen aber erahnen, welches Konfliktpotenzial sich zwangsläufig auftürmen wird, wenn die Saison läuft und mancher Spieler sich statt auf seiner Wunschposition auf der Bank oder der Tribüne wiederfindet, Rotation hin oder her.

Auch Borowski fängt bei null an. Er wird sich seinen Weg durch das Mittelfelddickicht bahnen müssen. Wenn er nicht stecken bleiben will, muss der 28-Jährige eine Eigenschaft ablegen, mit der er bei Werder oft negativ auffiel, die er sich dort aber leisten konnte: die mangelnde Selbstkritik. In Bremen beschwerte er sich zum Beispiel öfter bei den Journalisten über die angeblich zu negative Berichterstattung seine Person betreffend. In München muss er es erst einmal schaffen, zum regelmäßigen Gegenstand der Berichterstattung zu werden.

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