Sport : Tischtennis: 3 B ist für Weronika Pawlowitsch 1 A

Helen Ruwald

Unter der Dusche und zwischen Creme- und Puderdosen redet es sich offenbar besonders gut über gelungene Topspins. "Wenn die Mädchen gewonnen haben, dauert es länger", sagt Rainer Lotsch, der Manager des Tischtennis-Bundesligisten 3 B Berlin entschuldigend. Und bei einem souveränen Sieg wie dem 3:0 im Achtelfinale des ETTU-Cups gegen Techno-Centre Rogatin lassen sich die Spielerinnen gleich noch mehr Zeit. Die Ukrainerinnen sind längst davongeschlurft, als Weronika Pawlowitsch endlich im VIP-Raum auftaucht. Dort klingelt sofort das Handy, Weronikas Zwillingsschwester Wiktoria will wissen, wie es gelaufen ist. Weronika murmelt ein paar Sätze, sie selbst hat ihre Gegnerin auseinandergenommen beim 21:12 und 21:10.

Die Schwester. Sie ist eine Viertelstunde älter und spielt auch Tischtennis, in der Bundesliga beim TSV Betzingen in Schwaben. Als Weronika nach drei Jahren Tischtennis in Kroatien genug hatte, war sie es auch, die den Kontakt zu 3 B geknüpft hat. Die beiden 22-Jährigen sind die Nummer eins und zwei in ihrer Heimat Weißrussland, wobei Wiktoria, die Abwehrspezialistin, noch einen Tick besser ist als Angreiferin Weronika. Bei den weißrussischen Meisterschaften stehen sie sich regelmäßig gegenüber. Weil das doch etwas monoton ist und schlecht bezahlt obendrein, haben sie sich für die Bundesliga entschieden. "Das ist das höchste Niveau", sagt Weronika Pawlowitsch. Eine Kostprobe davon bekommt sie bereits heute, wenn 3 B den SSV Kroppach empfängt (14 Uhr, Halle am Anton-Saefkow-Platz). Der Aufsteiger ist zugleich Meisterschaftsfavorit, hat er doch unter anderem Ex-Europameisterin Nicole Struse und die gebürtige Chinesin Jie Schöpp in seinen Reihen. Kroppach ist im Tischtennistaumel, die Fans kommen in zwei Sonderbussen nach Berlin.

Ob sie froh ist, dass es sie in eine Stadt wie Berlin verschlagen hat statt in ein Nest wie Betzingen? Die junge Weißrussin wundert sich über die Frage, nein, nein, das sei egal. Entscheidend sei der Verein und nicht die Stadt. Kneipen, Brandenburger Tor, Potsdamer Platz, schön und gut. Aber ihr Zuhause ist Minsk. Dort wohnt sie noch bei der Mama. Beunruhigt und traurig ist Frau Pawlowitsch, wenn die Tochter wieder ihre Sachen packt und in die Fremde aufbricht. "Aber sie akzeptiert, dass das unser Beruf ist", erzählt Weronika. Manchmal reist sie mit dem Flugzeug, manchmal mit dem Zug.

In Minski studiert sie Sport und Psychologie und trainiert zweimal täglich an der Platte. Damit sie richtig gefordert wird, hat sie sich als Trainingspartner Männer ausgesucht. Die Übungseinheiten mit den Herren haben Weronika Pawlowitsch anscheinend gut getan, sie hat sich für die Olympischen Spiele in Sydney qualifiziert. "Das war sehr schwierig, weil die Konkurrenz in Europa so groß ist. Das Wichtigste war, dass ich es überhaupt geschafft habe." Nur drei weißrussische Tischtennisspielerinnen flogen nach Australien - darunter die Damen Pawlowitsch und Pawlowitsch. Zwei Matches bestritt Weronika, dann schied sie aus.

Wenn sie ein, zwei Wochen bei 3 B ist, bekommt sie ein bisschen Heimweh. Nach jedem Spiel telefoniert sie mit den Eltern, oft mit Wiktoria. Und manchmal gibt es auch ein Zwillingstreffen in Deutschland: Dann nämlich, wenn Berlin und Betzingen aufeinandertreffen, wie kurz vor Weihnachten beim 5:5. Dass Weronika Pawlowitsch sich hier wie auf Besuch fühlt, liegt auch daran, dass sie im Hotel lebt. Da wird zwar für sie geputzt und gekocht, aber richtig heimelig ist es zwischen Fernseher und Radio eben nicht. Zumindest gibt es keine Verständigungsprobleme mit ihren Mannschaftskameradinnen. Sie spricht zwar nur ein bisschen deutsch, kann sich aber mit der Russin Jerina Palina, der Litauerin Ruta Budiene und Spielertrainerin Zsusza Olah-Vamossy aus Ungarn fließend unterhalten - auf russisch.

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