Tischtennis : 3B-Manager Rainer Lotsch gestorben

Rainer Lotsch, der Manager des Teams 3B Berlin, ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Die Bedeutung des gebürtigen Dessauers für das Berliner Tischtennis ist gar nicht hoch genug einzuschätzen.

Jörg Petrasch

BerlinMeist stand Rainer Lotsch mit verschränkten Armen da. Die Augen beobachteten unentwegt, waren konzentriert auf das Spiel gerichtet. Bequem sitzen sah man Rainer Lotsch während der Spiele seines Teams 3B Berlin nur selten. Zu sehr fieberte der Manager mit seinen Spielerinnen mit, zu sehr war er Tischtennis-Fan. Nach den Spielen packte Lotsch dann selbstverständlich mit an, scheute sich auch nicht, die Platten und Umrandungen mit abzubauen.

Die Bedeutung des gebürtigen Dessauers für das Berliner Tischtennis ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Schon früh erkannte der Jugendspieler, dass sein Talent an der Platte begrenzt war und entschied sich für eine Tätigkeit als Trainer und später als Funktionär. Erfolg war Lotsch immer wichtig und sein strategisches Geschick half ihm. Ab Mitte der Fünfzigerjahre half er dem 3B-Vorgänger SC Einheit, dem TSC Berlin und BSG Außenhandel Titel zu gewinnen. 37 sollten es insgesamt werden. 1965 beendete der studierte Staats- und Rechtswissenschaftler dann seine Trainertätigkeit und wurde mit 27 Jahren Vorsitzender des Tischtennis-Verbandes im Osten Berlins. Das blieb er bis zur Wende. 1968 und 1969 gewannen die Frauen des BSG Außenhandel den Europacup der Landesmeister, obwohl die DDR-Sportführung Tischtennis nicht mehr förderte. So schmuggelte Lotsch auch schon mal Tischtennisbälle mithilfe des Diplomatenpasses aus China ein.

Dann kam die Wende und der manchmal spröde wirkende, aber immer kommunikative Mann musste sich auf eine neue Situation einstellen: sportlich und finanziell. Aber Lotsch kämpfte sich durch und hatte Glück, dass eine Ausrüsterfirma bei seinem Ost-Berliner Klub eine Art Entwicklungshilfe leistete. Bis ins laufende Jahr schloss der Manager viele Verträge mit Sponsoren und Spielerinnen per Handschlag ab. „Vertrauen, das man von den Spielern zurückbekommt, das ist auch ein Glück“, sagte Lotsch einmal.

1997 stieg der Klub, der sich hauptsächlich auf die Frauen konzentrierte, schließlich in die Erste Bundesliga auf. So feierte der Manager auch in der Bundesrepublik Erfolge: 2002, 2004 und 2007 gewann 3B den ETTU-Cup. In diesem Jahr fiel das Final-Rückspiel des europäischen Wettbewerbs auf seinen Geburtstag, Lotsch erlebte noch einmal eine Sternstunde seines Sports. „Das war das Größte, was ich bisher erlebt habe und die beste Saison, die wir je gespielt habe“, sagte er.

Es war das letzte schöne Erlebnis, das Lotsch in seiner langen Laufbahn im Tischtennis hatte. Nach kurzer schwerer Krankheit verstarb Rainer Lotsch am Freitag im Alter von 68 Jahren.

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