Tischtennis : Bananenflanken aus Peking

Zu schnell für den Rest: Auch bei den German Open dominiert China die Tischtennis-Welt. Das moderne Spiel der Chinesen ist aggressiver, die deutsche Mannschaft arbeitet nun an einem Gegenmittel.

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Serviervorschlag. Deutschlands Star Timo Boll unterlag im Viertelfinale dem Chinesen Chen Qi. Foto: contrastphotocontrast photoagentur

Berlin - Beim Fußball gehört die Bananenflanke schon ewig zur Grundversorgung, inzwischen hat auch Tischtennis seinen Bananenball. Dieser Rückschlag kann schon mal ganze Spiele prägen. Mit ihrer Rückhand streifen die Spieler den Ball seitlich und schicken ihn so in einer Bananenflugkurve übers Netz. Eine neue Spezialität im Tischtennis, gerade weil sie beim Gegner ziemlich krumm ankommt.

Wenn etwas im Tischtennis besonders effektiv ist, dann üben es die Chinesen bis zur Perfektion ein. Bei den German Open in der Max-Schmeling-Halle waren sie allen anderen wieder weit voraus, auch um ein paar Bananenbälle. Das Finale der Männer gewann Ma Long gegen Wang Hao mit 4:1 Sätzen, das entspricht auch der Weltrangliste, Ma Long führt dort vor Wang Hao. Ausgezeichnete Ballplatzierung, schnelle Beine und so gut wie keine leichten Fehler – damit ist Ma Long nur schwer zu schlagen. Fast schon kurios war, dass bei den Frauen die Chinesinnen Ding Ning und Li Xiaodan das Doppelfinale gegen die beiden Japanerinnen Ai Fukuhara und Kasumi Ishikawa verloren.

Spannende Einzelduelle mit Spielern aus anderen Ländern gab es nur bis zum Viertelfinale am Samstag, da waren auch die beiden Deutschen Timo Boll und Dimitri Owtscharow ausgeschieden. „Die Chinesen machen die kleinen Dinge einfach besser, da geht unser Spiel schnell mal in die falsche Richtung“, sagte Männer-Bundestrainer Richard Prause. Der Sonntag war daher für die 4400 Besucher in der Max-Schmeling-Halle wie eine kleine Fachmesse, auf der die Chinesen den neuesten Stand der Technik und Taktik präsentierten. Sie kennen ihr Spiel ohnehin in- und auswendig, gegenseitig überraschen können sie sich kaum noch.

Zum Schönen entwickelt sich das Spiel nicht gerade. Die typische Dramaturgie eines Ballwechsels, zu sehen im Halbfinale zwischen Ma Long und Chen Qi, aber auch im Endspiel, sieht so aus: Nach dem Aufschlag schieben sich beide den Ball kurz oder halblang hin und her mit der Botschaft: Greif’ doch an, wenn du kannst. Wenn dann der eröffnende Topspinschlag zu harmlos ist, knallt der Gegner gleich zurück – Ende des Ballwechsels. So fliegt der Ball nur ein paar Mal übers Netz, die zuschauerfreundlichen langen Wechsel mit Angriff und Abwehr aus ein paar Metern Abstand zum Tisch kommen nicht mehr so oft zustande wie bisher. Der im Finale unterlegene Wang Hao bildete da noch eine Ausnahme, ihn zieht es gerne weg vom Tisch, aber mit seinen 29 Jahren gehört er auch einer älteren Spielergeneration an als der 21-jährige Ma Long. Das Finale der Frauen, gewonnen von Feng Yalan mit 4:3 gegen Ding Ning, verlief spannender und mit attraktiveren Ballwechseln.

Wenn die Europäer unter sich spielen, gibt es noch mehr klassisches Tischtennis zu sehen. Doch der Maßstab sind nun einmal die Chinesen. Dirk Schimmelpfennig, der Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes, würde die Chinesen wohl sogar noch erkennen, wenn er nur ihre Schlaghand sehen würde. „Sie treffen den Ball früher, sie spielen aggressiver und mit mehr Tempo“, sagt er. So geht alles rasend schnell, und die Maßnahmen zur Verlangsamung des Tischtennis, ein größerer Ball, entschärfte Aufschläge, Verbot des Frischklebens, sind fast schon wieder verpufft. Das nächste Mittel wären höhere Netze, doch die sind derzeit nicht geplant.

Die deutschen Spieler wollen sich ohnehin etwas mehr Zeit nehmen beim Spielaufbau. „Die Chinesen sind beim Tempo die Nummer eins, wir können da vielleicht etwas Tempo rausnehmen, zum Beispiel mit neuen Rückschlagtechniken“, sagt Sportdirektor Schimmelpfennig. Bis zur Mannschafts-Weltmeisterschaft im Mai in Moskau wollen sie sich etwas ausgedacht haben als Gegenmittel für die reifen chinesischen Bananen.

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