Sport : Tischtennis: China gewinnt alles

Friedhard Teuffel

Schanghai - Ist das ein kleiner Trost für Europa? Der Weltmeister im Herreneinzel kommt zwar aus China, aber er spielt mit europäischer Schlägerhaltung und ist für einen Chinesen ungewöhnlich groß: 1,86 Meter. Auch die meisten der 10000 Zuschauer hatten sich den 26 Jahre alten Wang Liqin als neuen Weltmeister gewünscht. Denn Wang Liqin kommt aus Schanghai. Der Weltranglistenerste besiegte im Finale den Weltranglistenzweiten Ma Lin mit 4:2-Sätzen. Wie eine Wand baute sich Wang Liqin ein ums andere Mal vor seinem Gegner auf und ließ auch die härtesten Bälle an sich abprallen. Ma Lin gilt zwar als der Spieler mit den schnellsten Beinen der Tischtenniswelt, doch einen großen Titel hat er immer noch nicht gewonnen. Wang Liqin dagegen war vor vier Jahren schon einmal Weltmeister im Einzel. Das ist die Geschichte dieses Finales.

Die Geschichte des Turniers ist diese: China hat den anderen Ländern sein großartiges Reich vorgeführt. Das Herreneinzel war nur der Höhepunkt. Die Chinesen gewannen alle fünf Titel. Nur in einem einzigen Finale standen Spieler, die nicht aus China kamen. Es war das Doppelendspiel, in dem die beiden Deutschen Timo Boll und Christian Süß 1:4 gegen Kong Linghui und Wang Hao unterlagen. Und so bekam Timo Bolls Fazit noch einmal ein anders Gewicht: „In China bedeutet eine Silbermedaille vielleicht nicht so viel, für uns aber eine ganze Menge.“

Der Däne Michael Maze war im Einzel Europas letzte Hoffnung. Im Achtelfinale hatte er Wang Hao 4:0 besiegt, den Silbermedaillengewinner von Athen. Es war eine Demütigung für den heimlichen Turnierfavoriten. Eine Runde später schien Maze dann schon so gut wie draußen zu sein. 7:10, gewann aber noch 12:10. Doch im Halbfinale hatte Maze beim 0:4 gegen Ma Lin keine Chance.

Am Ende durfte auch Timo Boll noch ganz oben aufs Siegerpodest steigen. Er hatte im Achtelfinale gegen Liu Guozheng in der Verlängerung des Entscheidungssatzes den Schiedsrichter darauf aufmerksam gemacht, dass der Ball seines Gegners noch die Tischkante berührt hatte. Dafür erhielt er den Fairplay-Preis – eine Silbermedaille.

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