Tischtennis : Den Chinesen auf den Fersen

Er will Olympiagold, deshalb sucht Timo Boll Duelle mit den besten Tischtennisprofis – wie ab heute in Berlin.

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Boll
Unangenehme Rückhand. Timo Boll ist der einzige Europäer, der den Chinesen gefährlich werden kann. -Foto: AFP

Berlin - Fürs Wochenende hat sich Timo Boll zu einer Fortbildung angemeldet. Es haben sich die besten Referenten angekündigt, die sich der Tischtennisprofi vorstellen kann: Spieler aus der chinesischen Nationalmannschaft. Denn es gibt für Boll keinen lehrreicheren Moment, als wenn sie ihm den Ball um die Ohren hauen. „Man bekommt selten so viel Druck von der anderen Seite“, sagt Boll, „da kriegt man aufgezeigt, wo die Schwächen liegen.“ Deswegen sind ihm die German Open in der Max-Schmeling-Halle besonders wichtig, bei denen er am Freitag in den Wettbewerb einsteigt und bis zum Finale am Sonntag durchhalten will.

Als die German Open vor zwei Jahren in Berlin stattfanden, war den Chinesen der Weg zu weit gewesen. Nach Bremen waren sie im vergangenen Jahr auch nicht gekommen. So hatte Boll leichteres Spiel und gewann beide Male das Turnier. Jetzt sind die Chinesen wieder am Start, die Führenden der Weltrangliste etwa, Ma Long und Wang Hao, aber noch einige andere. Boll sagt: „Respekt habe ich vor allen. Das ist eine sehr starke Generation. Die haben alle das Niveau, Olympiasieger zu werden.“ Auf den ersten Chinesen träfe Boll in Berlin im Viertelfinale, auf Chen Qi, im Halbfinale könnte er Ma Long begegnen.

Ein Spiel gegen einen Chinesen ersetzt für den 29 Jahre alten Hessen unzählige Trainingseinheiten. Ausgespielt zu werden, ist eine kostbare Erfahrung. Er will den Chinesen daher folgen, wo er nur kann. „Ich versuche bis Olympia 2012 in London auf jeden Fall, die Turniere zu spielen, bei denen die Chinesen auch spielen. Sonst werde ich nicht auf ihr Niveau kommen.“ Wenn überhaupt ein Europäer den Chinesen gefährlich werden kann, dann er. Einige Male hat er ihnen schon empfindliche Niederlagen zugefügt, doch zuletzt sind sie ihm ganz schön weit davongelaufen. Jetzt möchte er ihnen wieder so nahe kommen wie vor einigen Jahren, als er ihnen sogar die Spitzenposition in der Weltrangliste abgenommen hatte.

Vor einem solchen Höhepunkt überlegt sich Boll nicht schon Tage im Voraus, wie er spielen muss. Zwar fielen ihm spontan seine Fehler aus den vorangegangenen Begegnungen mit den Chinesen ein, sagt Boll. „Die genaue Taktik entwickelt sich aber erst während des Spiels. Man spürt dann, worauf es ankommt.“ Um zu gewinnen muss Boll sich vor allem als Meister des Unerwarteten zeigen. Im Spiel hat Boll daher vor allem ein Ziel: „Dass der Gegner mehr überrascht ist als ich.“

Darauf kann sich Boll im Training kaum vorbereiten. „Man automatisiert viele Schläge und Platzierungen, und diese Automatisierungen kennen sie. Dann muss man variieren, damit sie nicht wissen, wo man hinspielt.“ Von Satz zu Satz entwickelt sich ein Schlagabtausch von Reaktion und Gegenreaktion. Boll ändert seine Taktik, die Chinesen passen ihr Spiel an, darauf muss Boll dann wieder eine Antwort finden. „Das sind keine Maschinen, die ihr System herunterspulen. Die Jungs sind nicht blöd, die probieren dann auch etwas anders aus.“

Warum gerade er so gut gegen die Chinesen spielt, liegt nicht nur an seinem dynamischen Spiel, an seinen schnellen Beinen und seiner Fähigkeit, aus dem passiven Spiel umzuschalten auf Gegenangriff. „Ich spüre schon während des Spiels, was ich zu tun habe“, sagt Boll, „das brennt sich irgendwie ein, wo sie mich erwischt haben. Da habe ich ein ziemlich großes Talent für.“

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