Tischtennis : Der Fluch des Meisters

Meisterfluch in der Tischtennis-Bundesliga der Frauen: Wer Meister wird, hat nicht mehr lange zu leben, scheint dort zu gelten. Denn von den bisherigen Meisterklubs ist heute keiner mehr in der Liga dabei.

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Zu den besonderen Grausamkeiten im deutschen Sport gehört der Meisterfluch in der Tischtennis-Bundesliga der Frauen: Wer Meister wird, hat nicht mehr lange zu leben. Vor diesem Fluch gibt es wirklich kein Entrinnen. Von den bisherigen Meisterklubs ist heute keiner mehr in der Liga dabei. Auch der FSV Kroppach, aktueller Tabellenführer und Titelgewinner der vergangenen Jahre, hat seinen Rückzug zum Saisonende angekündigt. In diesem Jahr wirkt der Fluch ohnehin so stark wie nie. Der Tabellenzweite Saarlouis-Fraulautern stürzt gleich mit aus der Liga.

Unter diesen Umständen ist es natürlich nicht verwunderlich, dass die Bundesliga für die Vereine nicht das Ziel aller Träume ist. Es finden sich jedenfalls keine zehn Klubs mehr, die in der Liga spielen wollen. Sie könnten ja vielleicht aus Versehen Meister werden. Das Ende der Meister liegt meistens am Geld, aber nicht nur. Kroppach lebte von seinen ehrenamtlichen Helfern. Denen ist jedoch der Aufwand zu viel geworden, eine kleine Turnhalle im Westerwald zu jedem Spiel bundesligatauglich herzurichten. Und es hat sich Frust breitgemacht, weil sich die Bundesliga nicht zum Guten verändert. Das Spielsystem war zwar von Vierer- auf Dreiermannschaften verändert worden. Nach einer Saison kehrte die Liga aber wieder zum alten System zurück. Manchmal klafft eine Lücke von drei Monaten zwischen dem letzten Spiel der Vorrunde und dem ersten der Rückrunde. Das kann man nicht mehr Saison nennen. Im globalen Tischtennisbetrieb ist der Ligaspielbetrieb manchmal nur noch ein Pausenfüller.

Aus Kroppachs Meistermannschaft hat sich übrigens der TTC Berlin Eastside zwei deutsche Nationalspielerinnen gesichert. Berlin will in der nächsten Saison Deutscher Meister werden, zum ersten Mal. Es ist nur höflich, dem Klub dabei keinen Erfolg zu wünschen.

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