Tischtennis : Die erfolgreichste WG der Welt

Vor 20 Jahren wurden Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner Weltmeister im Tischtennis-Doppel – jetzt spielen sie noch einmal zusammen.

Friedhard Teuffel
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Foto: p-a/dpa

Berlin - Eine erfolgreichere Wohngemeinschaft dürfte es 1989 kaum gegeben haben. In Düsseldorf teilten sich Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner damals ein Apartment, ihr Trainer wohnte auch noch im Haus, und an manchen Tagen waren die beiden 24 Stunden zusammen. Vielleicht war das auch ein Grund, warum sie so gut zusammen Tischtennis gespielt haben: 1989 wurden sie bei der Weltmeisterschaft in Dortmund völlig überraschend Weltmeister im Doppel. „Wir hatten die selbe Auffassung vom Leben, und unsere WG haben wir immer ziemlich sauber gehalten“, erzählt Roßkopf heute.

Der WM-Titel machte aus Roßkopf und Fetzner „Rossi“ und „Speedy“. An diesem Wochenende feiern sie ihr 20-jähriges WM-Jubiläum – sogar unter Wettkampfbedingungen, bei den deutschen Meisterschaften in Bielefeld.

Für Roßkopf, inzwischen 39 Jahre alt und Assistenztrainer des Herren-Nationalteams, werden es zugleich die letzten deutschen Meisterschaften sein. Fetzner, ein Jahr älter, hatte schon nach der Europameisterschaft 2000 in Bremen aufgehört und arbeitet seit 2007 als Trainer in Katar.

In Bremen 2000 bestritten die beiden auch ihr letztes Doppel. „Durch einen Kantenball haben wir 19:21 verloren und sind im EM-Viertelfinale ausgeschieden, das war ganz bitter“, erzählt Roßkopf. Ihre Gegner waren die Franzosen Gatien und Chila. Die Freundschaft zwischen Roßkopf und Fetzner hat auch ohne gemeinsames Doppelspiel gehalten. „Wir telefonieren sehr oft miteinander und treffen uns auch regelmäßig“, sagt Roßkopf.

Vorbereitet haben sie sich nicht auf ihr Zusammenspiel, die Setzliste traut ihnen aber einiges zu und stuft sie auf Platz fünf bis acht ein. „Wir werden feststellen, dass wir schwerer und langsamer geworden sind und überrascht sein, dass wir an einige Bälle nicht mehr rankommen“, sagt Roßkopf, der noch in der Bundesliga für Jülich spielt. Fetzner ist in Berlin beim CFC Hertha 06 in der Oberliga gemeldet, bestritt aber in dieser Saison erst ein Spiel, bei dem er ein Einzel gewann und eins verlor. „Ich komme nur selten aus Katar raus“, sagt er.

„Viele werden vor uns noch Respekt haben“, sagt Roßkopf. Bis heute ist ihr WM-Titel der größte Erfolg im deutschen Herren-Tischtennis. „In Deutschland war Tischtennis damals im absoluten Tiefschlaf“, erzählt Roßkopf, „dann kamen wir zwei Nobodys.“

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