Tischtennis-EM : Dimitrij Ovtcharov: Auf dem Zahnfleisch zum Titel

Dimitrij Ovtcharov kann seinen Titel in Jekaterinburg verteidigen und siegt erneut bei einer Tischtennis-Europameisterschaft. Die deutsche Gesamtbilanz fällt aber eher bescheiden aus.

Dimitrij Ovtcharov verteidigte seinen Titel.
Dimitrij Ovtcharov verteidigte seinen Titel.Foto: dpa

Nach dem Matchball sprang Dimitrij Ovtcharov über die Umrandung, lief auf das Siegerpodest, zog das Trikot aus und posierte in Siegermanier. Die Anspannung eines kräftezehrenden Turniers musste erstmal raus. Mit Urgewalt und einem unbändigen Siegeswillen verlängerte Ovtcharov seine Erfolgsserie. Der Titelverteidiger wiederholte am Sonntag durch einen 4:1-Erfolg gegen Marcos Freitas aus Portugal seinen EM-Sieg von 2013 und freute sich im russischen Jekaterinburg über ein Novum: Der Olympia-Dritte, der in Abwesenheit des verletzten Timo Boll mit seinem insgesamt achten EM-Gold die Bilanz des Deutschen Tischtennis Bund (DTTB) aufpolierte, ist der erste Europameister, der den Titel auf asiatischem Terrain gewann.

„Ich war auf dem Zahnfleisch und bin jetzt extrem happy. Freitas hat super stark gespielt, bei 4:7 im dritten Satz wusste ich fast nicht weiter, aber mein Wille war stärker“, erklärte Ovtcharov nach dem hochklassigen Endspiel. „Dima hat sich gut bewegt und das sehr gut gemacht. Er hat stets die Kontrolle behalten“, sagte Sportdirektor Richard Prause. In einem zunächst taktisch geprägten Finale nahm Bundestrainer Jörg Roßkopf bereits im ersten Satz die Auszeit. Ab dem dritten Durchgang wurden die Ballwechsel immer hochklassiger und extrem schnell. Der Weltranglisten-Neunte Freitas forderte Ovtcharov voll, doch dieser hatte mit 14:12, 9:11, 11:9, 11:4, 11:6 das bessere Ende für sich.

Ovtcharovs Erfolg verdeckte auch Schwächen

Der 27-Jährige, der sein Geld beim russischen Klub Fakel Orenburg verdient, hatte jede Menge Kraft in die Mission Titelverteidigung investiert. 14 Einzel absolvierte Ovtcharov an zehn Turniertagen, alle 14 gewann er. Mit der letzten Partie verlängerte er eine tolle Serie. Zum fünften Mal seit 2010 stellte der DTTB den Sieger in der Königsdisziplin, die Konkurrenz ist aber näher gerückt. Österreich gewann nach Gold im Team auch den Titel im Herren-Doppel durch Stefan Fegerl an der Seite des Portugiesen Joao Monteiro und lag in der Herren-Wertung vor dem Aufgebot von Bundestrainer Jörg Roßkopf.

Ovtcharovs Erfolg verdeckte auch Schwächen. Mit zweimal Gold und jeweils einmal Silber und Bronze fiel die Bilanz im Vergleich zum EM-Rekord 2013 in Schwechat (4/2/2) bescheiden aus. Am schwarzen Samstag gab es in sieben Viertelfinals fünf deutsche Niederlagen. „Da haben wir einige Medaillen liegen gelassen“, gab Sportdirektor Richard Prause zu. Groß war die Enttäuschung bei den Frauen. Nach dem souveränen Team-Sieg verpasste Top-Favoritin Han Ying die Medaillenränge. Bei der Siegerehrung für die neue Europameisterin Elizabete Samara aus Rumänien waren die DTTB-Spielerinnnen nur Zuschauerinnen. „Unser Anspruch ist es, dabei zu sein“, sagte Prause. „Doch gegen Abwehrsysteme haben meine Spielerinnen noch Steigerungspotenzial“, sagte Bundestrainerin Jie Schöpp (dpa)

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