Tischtennis : Gewöhnung an einen Chinesen

Timo Boll unterliegt Ma Long und sieht dennoch Gutes. Der 28 Jahre alte Düsseldorfer, der wegen seiner Rückenprobleme im Sommer lange Zeit pausiert hatte, zieht aus dem frühen Aus beim Tischtennis-Weltcup positive Erkenntnisse

Moskau - Als das Viertelfinale beim Tischtennis-Weltcup zwischen Timo Boll und dem Chinesen Ma Long bevorstand, wurde in Moskau auch vom vorweg genommenen Finale gesprochen. Für den deutschen Spitzenspieler aus Hessen, der im Vorjahr im Finale gestanden und 2002 sowie 2005 das Turnier für sich entschieden hatte, endete diese Begegnung beim 150 000 Dollar-Turnier mit einer Enttäuschung. „Meine Form war gut. Ich habe aber zu lange nicht mehr die Gelegenheit gehabt, gegen einen Spieler seines Niveaus zu spielen. Es hat deshalb etwas gedauert, bis ich mein Spiel seinem Tempo anpassen konnte“, kommentierte der Weltranglisten-Vierte Boll schließlich das 2:4 gegen den zwei Plätze besser eingestuften Ma Long. Auch Bolls Team-Kollege Dimitrij Owtscharow musste nach dieser Runde der besten Acht seinen Schläger einpacken. Völlig frustriert von der 1:4-Pleite gegen den dreimaligen Einzel-Europameister Wladimir Samsonow (Weißrussland) verließ der für Charleroi in Belgien spielende Owtscharow die Halle durch einen Nebenausgang, ohne die Fragen der internationalen Medienvertreter in der Mixed-Zone zu beantworten.

Mehr Größe bewies Boll. Der 28 Jahre alte Düsseldorfer, der wegen seiner Rückenprobleme im Sommer lange Zeit pausiert hatte, zog aus dem frühen Aus positive Erkenntnisse. „Um diese Vergleiche mit den Chinesen wieder zu haben, war dieses Turnier, unabhängig vom Ergebnis, sehr wichtig für mich“, erklärte Boll.

In der Vorrunde blieb der EM-Dritte von Stuttgart gegen Kalinikos Kreanga (Griechenland), Joo Se Hyuk (Südkorea) und Alexej Smirnow (Russland) ungeschlagen. Dagegen verlor Ma Long eine Partie und erreichte nur als Gruppenzweiter das Viertelfinale. Prompt wurde er Boll als Gegner zugelost. „Eine unglückliche Konstellation“, sagte Bundestrainer Richard Prause zu dem Duell der Titelaspiranten, das laut Setzliste eigentlich für das Endspiel vorgesehen war. Aber auch Ma Long verpasste das Finale durch ein 3:4 gegen Wladimir Samsonow. Der Weißrusse besiegte darin den Chinesen Chen Qi 4:1.

Ma Long, der im Vorjahr das Halbfinale gegen Boll verloren hatte, startete furios und ging 2:0 in Führung. Der Deutsche Meister glich aus, lag im fünften Durchgang 6:4 in Führung, ehe Ma Long sich noch einmal steigern konnte, vor allem das Tempo erhöhte. „Da war die Chance da, das Heft in die Hand zu nehmen. Allerdings hat Ma Long auch exzellent in der Endphase gespielt“, erklärte Boll, der letztlich verdient mit 6:11, 6:11, 11:7, 11:8, 8:11, 3:11 das Nachsehen hatte.

„Timo hat auf einem sehr ordentlichen Level gespielt, damit darf man zufrieden sein. Er hat nur gegen einen der absoluten Top-Chinesen verloren. Dabei hat man in der Anfangsphase deutlich gespürt, dass ihm durch seine Verletzungspause im Frühjahr seit Februar der Vergleich mit den Chinesen fehlt“, analysierte Bundestrainer Prause. „Die Duelle mit diesen Spielern kann man nicht im Training simulieren.“ dpa

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