Tischtennis : Petrissa Solja: Vorstellung als Publikumsliebling beim TTC Eastside

Mit Spitzentalent Petrissa Solja startet der TTC Eastside in die neue Saison – und hat nach der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte drei Titel zu verteidigen.

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Verheißungsvoll. Petrissa Solja ist erst 20, hat aber schon den kontinentalen Titel im Doppel gewonnen und es in ihrer Altersklasse mit den Asiatinnen aufgenommen.
Verheißungsvoll. Petrissa Solja ist erst 20, hat aber schon den kontinentalen Titel im Doppel gewonnen und es in ihrer...Foto: dpa

Fast ein wenig unbemerkt vom Berliner Sportpublikum hat sich in der vergangenen Saison der TTC Berlin-Eastside zum erfolgreichsten Verein der Stadt hochgespielt. Dafür haben schon 200.000 Euro gereicht, für den ganzen Verein. Und mehr als in der vergangenen Saison hätten Eastsides Tischtennisspielerinnen nicht gewinnen können. Sie haben das Triple geholt aus Pokal, Champions League und deutscher Meisterschaft. Es war der erste nationale Meistertitel für den TTC Eastside.

Gerade die Meisterschaft wirkt im Verein noch nach. „Darauf sind wir stolz. Über Jahre schien ein solcher Triumph unerreichbar, aber wir haben ihn nie aus den Augen verloren, seitdem wir 1997 in die Erstklassigkeit aufgestiegen sind“, sagt Präsident Alexander Teichmann. Ob sich die Erfolge auch noch einmal fördernd auf die Leistungen auswirken, wird von diesem Freitag an zu besichtigen sein. Die Saison beginnt, und zunächst empfängt Eastside Ungarns Spitzenteam Postas Budapest zum Auftakt der Champions League in der Großen TSC-Spielhalle (19.30 Uhr, Paul-Heyse-Straße), am Sonntag folgt der Bundesligastart in der Saefkowhalle (14 Uhr) gegen den SV Böblingen.

„Die Vorsaison war wie ein Märchen, aber mit ,Es war einmal …‘ wollen wir uns nicht bescheiden“, kündigt Teichmann an. „Das hat Spaß gemacht, davon kann man nicht genug haben.“ Vom Vierer-Stammteam der Vorsaison hat der Verein nur Nationalspielerin Irene Ivancan verloren, die nach Istanbul zu Fenerbahce wechselte. Jenem Team, dem der TTC gerade in der Champions League Angst und Schrecken eingejagt hat. Dafür ist Petrissa Solja gekommen, zehn Jahre jünger als Ivancan und als „eines der größten europäischen Tischtennis-Talente“, wie Teichmann sagt, ein perfekte Verstärkung mit Perspektive.

Die 20 Jahre alte Nationalspielerin hat in den Jugend-Altersklassen einen Titel nach dem anderen gewonnen, war neben ihrer älteren Schwester Amelie (demnächst 24), die jetzt international für Österreich spielt, die Einzige, die bei Jugend-WM Medaillen gewann und in die asiatische Phalanx einbrach. Im vergangenen Jahr hat sie bereits bei den Erwachsenen den Europameistertitel im Doppel gewonnen. Mit dem ebenso tischtennisverrückten wie eigensinnigen Vater Pavel im Rücken hatten die beiden Schwestern (Susanne, die dritte, beendete inzwischen die aktive Karriere) immer wieder mal Verständigungsprobleme mit dem Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB). „Auch bei mir hat es eine Phase gegeben, in der ich überlegt habe, ob es nicht besser sei, die Staatsbürgerschaft zu wechseln“, gibt Petrissa Solja zu. Es sei deshalb kein Zufall gewesen, dass sie zwei Jahre in Linz spielte.

Aber das ist vorbei. Inzwischen trainiert sie am DTTB-Leistungszentrum in Düsseldorf mit den anderen Nationalspielerinnen. Ihr Engagement in Berlin, das nach eigenem Bekunden „durchaus ein paar Jahre dauern darf“, ergibt auch aus Sicht von Bundestrainerin Jie Schöpp Sinn, die im Doppel von Berlins Nummer eins Shan Xiaona mit Solja eine schlagkräftige und chancenreiche Kombination mit Blick auf die Olympischen Spiele 2016 sieht. In der Bundesliga bekommen die beiden viel Spielpraxis. „Darauf freue ich mich“, sagt Solja. Sie ist eine, „die nicht genug bekommen kann vom Tischtennis, die nie satt ist und sich im Training quälen kann und will“, lobt Teichmann.

In der Weltrangliste steht Petrissa Solja derzeit auf Platz 46. „Ich will als Nahziel die Top 20 erreichen, denn ich weiß, da geht spielerisch noch einiges und es gibt viele Dinge, die ich verbessern kann.“ Mit ihrer Art zu spielen und aufzutreten hat Solja das Zeug zum Berliner Publikumsliebling, so wie es mal Veronika Pawlowitsch, Irina Palina oder Tanja Hain-Hoffmann waren.

„So etwas ist man nicht automatisch, das muss man sich erarbeiten“, sagt die 20-Jährige. Sie trainiert jeden Tag sechs Stunden und mehr. Im vergangenen halben Jahr hatte sie nur ein einziges freies Wochenende und bis Jahresende kommen nur noch ein weiteres und Weihnachten dazu. Den ersten Titel mit dem TTC Eastside kann sie dann am 4. Januar 2015 gewinnen – beim Pokal-Final-Four in Berlin.

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