Tischtennis : Thomas Weikert wird Präsident des Welt-Tischtennis

Jetzt hat ein Deutscher doch noch den Gipfel im Tischtennis erklommen, obwohl die Chinesen sonst alles unter sich ausmachen. Allerdings nicht an der Platte.

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Frischer Wind. Thomas Weikert löst Adham Sharara nach 15 Jahren ab.
Frischer Wind. Thomas Weikert löst Adham Sharara nach 15 Jahren ab.Foto: dpa

Thomas Weikert wird Präsident des Internationalen Tischtennis-Verbandes (ITTF). Das wurde am Rande der Mannschafts-Weltmeisterschaft in Tokio bekannt. Am 1. September löst der ehemalige Bundesligaspieler den Kanadier Adham Sharara ab, der die ITTF seit 1999 geführt hatte. Weikert ist seit 2005 Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes, seit 2009 gehört er dem Präsidium der ITTF an und war dort zuletzt Stellvertreter Shararas.

Weikert, 52 Jahre alt, Rechtsanwalt mit Sitz in Limburg, übernimmt damit den nach Mitgliedsländern zweitgrößten Sportverband der Welt. Die ITTF zählt 218 Mitgliedsverbände, nur Volleyball hat noch ein paar mehr. „Adham hatte mir gegenüber schon vor längerer Zeit deutlich gemacht, dass er mich gerne als seinen Nachfolger sähe. Dass es nun schon im September so weit sein würde, kommt früher, als ich ursprünglich erwartet hatte“, teilte Weikert mit. Als Sportfunktionär hatte sich Weikert bisher unter anderem auf dem Feld der Dopingbekämpfung profiliert. Obwohl Tischtennis nicht zu den am stärksten betroffenen Sportarten zählt, ging der DTTB unter den deutschen Sportverbänden mit voran und bemühte sich um eine weitreichende gesetzliche Regelung zur Bekämpfung des Betrugs.

Das Amt erbt Weikert nun von einem Präsidenten, der sich zwischendurch den Ruf als Revolutionär erworben hatte. Denn in Shararas Amtszeit fallen einschneidende Regeländerungen wie die Verkürzung der Zählweise von 21 auf 11 Siegpunkte pro Satz sowie die Vergrößerung der Bälle von 38 auf 40 Millimeter Durchmesser und das Verbot des Frischklebens. Sharara selbst sagte dem Tagesspiegel einmal: „Das Highlight ist für mich, Tischtennis durch ein sehr aggressives Entwicklungsprogramm in alle Ecken der Welt gebracht zu haben.“

Auf Weikert warten nun ebenso große Herausforderungen wie einst auf Sharara. Da die Produktion von Zelluloid in manchen Ländern verboten ist, werden die Tischtennisbälle künftig aus Plastik sein. Welche Auswirkungen dies auf das Spiel haben wird, ist noch ungewiss. Außerdem leidet Tischtennis unter der dauerhaften Präsenz der Chinesen. In den Endspielen stehen sie meist unter sich, der letzte Einzel-Weltmeistertitel eines Europäers liegt nun elf Jahre zurück.

Um den asiatischen Markt wird sich Weikert erst einmal keine Sorgen machen müssen. Sein wichtigstes Fördergebiet wartet vor der Haustür, in Europa.

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