Tischtennis : Timo Boll wird zum EM-König

Der 27-jährige Linkshänder schaffte bei der Tischtennis-EM sensationell das zweite Jahr in Folge einen Titel-Hattrick. Nach Gold mit der Mannschaft und im Doppel mit Christian Süß gewann Timo Boll auch das Einzelturnier.

Peter Hübner[dpa]
Tischtennis-EM
Die Favoriten setzten sich durch: Timo Boll (l.) und Christian Süß. -Foto: dpa

St. PetersburgMit einem einmaligen Bravourstück hat Europas Tischtennis-König Timo Boll seine dreifache Regentschaft um ein Jahr bis zu der Heim-EM 2009 in Stuttgart verlängert. Timo "der Große" krönte seine Glanzauftritte in der Zarenstadt St. Petersburg mit einem 4:2-Finalsieg gegen Wladimir Samsonow (Weißrussland) und gewann zum dritten Mal nach 2002 und 2007 den Einzel-Titel. Zuvor hatte der erfolgreichste Teilnehmer auch EM-Gold im Team und im Doppel mit Christian Süß geholt.

Damit wiederholte Boll sein fantastisches Titel-Triple aus dem Vorjahr. Das hatte zuvor kein Profi in der 50-jährigen EM-Geschichte geschafft. "Das ist perfekt gelaufen. Wir waren beide müde, aber ich war etwas fitter als Wladi. Bei der Olympia-Vorbereitung habe ich gelernt, mich zu quälen", kommentierte "Odenwald-Kämpfer" Boll den Erfolg über seinen Dauerrivalen Samsonow. "Ich hoffe, es kommen noch ein paar EM-Titel hinzu. Aber das ist kein Selbstläufer", sagte der gebürtige Hesse.

Der Wille siegte

Ehefrau Rodelia vergoss nach dem achten EM-Gold ihres Mannes Freudentränen in den Armen von Bundestrainer Richard Prause. "Timo ist ein absoluter Ausnahmesportler", sagte Prause. Sieben Wochen nach Olympia in Peking fehlte dem Spiel des Weltranglisten-Siebten zwar der ganz große spielerische Glanz. Doch das machte der 27 Jahre alte Linkshänder durch unbeugsamen Willen und unermüdlichen Einsatz wett.

"Er hat 83 Sätze im Turnier gespielt. Das ist eine unglaubliche körperliche Leistung", meinte DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb. "Unsere Herren haben in kurzer Zeit zweimal das Maximum abgerufen. Timo hat herausragend gespielt", lobte auch Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig den Ausnahmespieler. Beim historischen Triumph saßen die meisten Aktiven und die Führung des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) mit Präsident Thomas Weikert an der Spitze bereits im Flugzeug. Der DTTB hatte die Rückflüge vor einer Änderung des EM-Zeitplans gebucht.

Boll: "Ich bin einer der weltbesten Rückschläger"

Dabei zeigte Boll am Schlusstag gegen Werner Schlager (Österreich/4:0) und in der Neuauflage des 2007-Endspiels sein bestes Tischtennis. Gegen beide hatte er im Teamwettbewerb verloren. "Diesmal habe ich die Aufschläge besser retourniert. Ich bin normalerweise einer der weltbesten Rückschläger", erklärte Boll.

Im Doppel bestätigte das deutsche Parade-Duo Boll/Süß, das im Viertelfinale vier Matchbälle abwehrte und im Finale bereits 1:3 zurücklag, durch ein knappes 4:3 gegen Werner Schlager/Trinko Keen (Österreich/Niederlande) die Favoritenrolle. "Wir haben uns nach einem Hänger gefangen. Man muss immer an sich glauben", sagte der 23-jährige Süß. Nach seinem schwachen Einzel-Auftritt bildete für ihn die Titelverteidigung ein versöhnliches EM-Ende.

Im Damen-Einzel siegte Ruta Paskauskiene und im Damen-Doppel Krisztina Toth/Georgina Pota (Ungarn). Die neue Kleberegel und das nicht ausgereifte Kontrollverfahren der Schläger verunsicherte die Aktiven. "Das war für viele Spieler ein großes Problem. Hier muss und wird sich etwas tun. In Stuttgart werden wir spielerisch bessere Partien sehen", sagte Schimmelpfennig.

Boll und Co. starten ihre Olympia-Vorbereitung

Bereits von diesen Montag an beginnt für Boll und Co. im sogenannten Top-Team des DTTB die langfristige Vorbereitung auf Olympia 2012 in London. Neben dem Pekinger Silbertrio mit Boll, Süß und Dimitrij Ovtcharov gehört auch Bastian Steger (Frickenhausen) dazu. Auch Assistenztrainer Jörg Roßkopf zählt zum Team. Er soll neue Reize im Kampf gegen China setzen.

Alles andere als grandios war das Abschneiden der DTTB-Damen. Nach Platz zehn im Team schaffte erstmals seit 50 Jahren keine deutsche Spielerin den Einzug in das Achtelfinale. Die Zufallskombination Amelie Solja/Tatjana Kostromina (Saarlouis/Weißrussland) rettete mit dem Viertelfinale im Doppel die Bilanz nicht. "Die Tendenz ist fallend, das Ergebnis schwach", stellte Schimmelpfennig fest. Als Steilvorlage für die Europameisterschaft vom 13. bis 20. September 2009 in Stuttgart bewertete DTTB-Präsident Weikert die Boll-Gala. "Für den Marketing-Bereich ist das super", sagte Weikert.

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