Tischtennis-WM : Boll: "Der Stachel der Enttäuschung sitzt sehr tief"

Riesenfrust bei Europameister Timo Boll: Deutschlands Tischtennis-Star hat erneut die ersehnte Einzel-Medaille bei der Weltmeisterschaft in Zagreb verpasst.

Zagreb - Als letzter Teilnehmer des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) verabschiedete sich Boll mit einer unerwartet deutlichen 0:4-Pleite im Viertelfinale gegen Olympiasieger Ryu Seung Min (Südkorea) aus dem Turnier.

"Der Stachel der Enttäuschung sitzt sehr tief. Ich hatte zu viele Löcher in meinem Spiel. Die einfachen Fehler muss ich abstellen", analysierte Boll selbstkritisch die verdiente Niederlage. Trotz einer positiven Bilanz gegen seinen Gegner und trotz der lauten Anfeuerungsrufe der zahlreichen deutschen Fans musste die deutsche Medaillenhoffnung ein deprimierendes 9:11, 7:11, 3:11, 12:14 hinnehmen.

Der Weltranglisten-Dritte, der zuvor auch im Doppel mit Christian Süß (Düsseldorf) im Viertelfinale gepatzt hatte, fand gegen den wie aufgedreht spielenden Südkoreaner kein Gegenmittel. Schwachpunkt war wie schon in einigen Partien zuvor das Rückschlag-Spiel. Zudem verschenkte Boll in den beiden ersten Durchgängen leichtfertig hohe Führungen von 4:1 und 6:0. "Timo hat seine Chancen nicht optimal genutzt. Seine Aufschläge hatten nicht die richtigen Länge", analysierte Herren-Bundestrainer Richard Prause die Niederlage gegen den sechs Plätze tiefer eingestuften Athen-Sieger.

Nächster Anlauf in zwei Jahren

"Die Auslosung war nicht schlecht, aber es hat wieder nicht geklappt. Ich werde es in zwei Jahren wieder versuchen", kündigte der 26 Jahre alte Linkshänder den nächsten Angriff für die Individual-WM 2009 in Yokohama an. Hauptziel bleibt für den künftigen Düsseldorfer aber das Olympia-Turnier im nächsten Jahr in Peking. Trotz der missglückten Generalprobe war der Einzug in das WM-Viertelfinale das beste DTTB-Ergebnis im Herren-Einzel seit dem zweiten Platz für Rekordmeister Eberhard Schöler bei der Heim-Weltmeisterschaft 1969 in München.

In Zagreb blieb der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) erstmals seit drei WM-Turnieren ohne Edelmetall. "Der Frust ist momentan so groß wie ein Kuchen. Aber wir standen bei fünf Wettbewerben drei Mal im Viertelfinale. Das zeigt das Potenzial, was wir haben", erklärte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig. Die Leistungs-Lücke der Europäer zu den Asiaten ist ein Jahr vor Olympia aber noch größer geworden. Bei der Vergabe der 20 WM-Medaillen gingen die Europäer trotz des Heimvorteils leer aus.

Auch der EM-Zweite Wladimir Samsonow (Weißrussland) scheiterte im Viertelfinale am Weltranglisten-Ersten Ma Lin aus China. Neben Boll-Bezwinger Ryu Seung Min schafften noch die Top-Favoriten Wang Liqin und Wang Hao (beide China) den Einzug in das Halbfinale. Im Damen-Endspiel sind die Chinesinnen Guo Yua und Li Xiaoxia unter sich. (Von Peter Hübner, dpa)

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