Sport : Tischtennis-WM: Keine Medaille für Europa

Europas Tischtennis-Spieler haben in Osaka ein historisches Debakel erlitten. Erstmals in der 75-jährigen Geschichte von Weltmeisterschaften seit 1926 gewannen sie in den fünf Individual-Wettbewerben (Einzel, Doppel, Mixed) keine Medaille. Als letzter Vertreter scheiterte Ex-Europameister Wladimir Samsonow (Weißrussland) im Viertelfinale des Herren-Einzels mit 1:3-Sätzen an Olympiasieger Kong Linghui aus China. Asien gab von 28 Medaillen nur Silber und Bronze an die Männer-Teams aus Belgien und Schweden ab.

Kong Linghui kann im abschließenden Finale am Sonntag gegen den Weltranglisten-Ersten Wang Liqin (China) zum zweiten Mal nach 1995 zum großen WM-Star werden. Titelverteidiger Liu Guoliang (China) unterlag dem Timo Boll-Bezwinger Chiang Peng-Lung aus Taiwan, der die Bronzemedaille gewann. Boll und Jörg Roßkopf verfolgten die asiatischen Festspiele nicht mehr. Sie befanden sich am Samstag bereits auf dem Heimweg.

Die beiden Hessen aus Gönnern hatten gegen Ma Lin (China) und Chiang Peng-Lung (Taiwan), Nummer drei und vier in der Welt, keine reelle Siegchance. Mit Platz sieben für das Herren-Team als bestes Resultat in sieben Wettbewerben erzielte der DTTB eine magere Bilanz und muss weiterhin auf die erste Medaille in einem Einzel- oder Doppel-Wettbewerb seit dem Gold von Roßkopf/Fetzner 1989 warten. "Statistisch sind wir nicht zufrieden, aber zur Bilanz gehört auch die sportliche Analyse. Die Leistungen waren in Ordnung, aber die Auslosung stand dem Ziel Medaillengewinn im Weg", analysierte Cheftrainer Dirk Schimmelpfennig das vorzeitige WM-Ende. Der Rückstand zu den Asiaten und damit zur Weltspitze ist eher noch größer geworden. Der DTTB-Trainerstab mit den Bundestrainern Istvan Korpa (Herren) und Richard Prause (Damen) will sich in Zukunft nicht mit ehrenvollen Niederlagen gegen Chinesen zufrieden geben. "Wir müssen unabhängig von der Auslosung werden. Die fetten Jahre bei den Damen sind zwar vorbei, aber bei den Herren haben wir sehr gute Perspektiven", sagte Schimmelpfennig.

China erhöhte mit dem neuen 40 Millimeter Ball die Titel-Sammlung in Osaka auf die Nummern vier und fünf. Olympiasiegerin Wang Nan gewann das Damen-Finale 3:1 gegen ihre Landsfrau Lin Ling und wiederholte ihren WM-Sieg von 1999 in Eindhoven. Das Endspiel im Herren-Doppel war ebenfalls eine rein-chinesische Angelegenheit. Die Sydney-Sieger Wang Liqin/Yan Sen hielten die Titelverteidiger Kong Linghui/Liu Guoliang deutlich mit 3:0 in Schach.

Am letzten WM-Tag kann nur noch das japanische Damen-Doppel Akiko Takeda/Mayu Kawagoe den totalen chinesischen Triumph mit sieben Titeln in sieben Wettbewerben verhindern. Doch daran glauben selbst die kühnsten Optimisten in Osaka nicht. Für etwas Stimmung unter den eher reservierten japanischen Zuschauern sorgten eine chinesische Musikkapelle.

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