Tischtennis-WM : Schmutziges Ping-Pong-Spiel

Seit 14 Jahren regiert und reformiert Adham Sharara das Welttischtennis – jetzt wirft ihm sein Herausforderer Korruption vor.

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Bewegung im Plattenbau. Seit Montag finden in Paris die Einzel-Weltmeisterschaften statt. Foto: AFP
Bewegung im Plattenbau. Seit Montag finden in Paris die Einzel-Weltmeisterschaften statt.Foto: AFP

Die Tischtennis-Welt ist schon ein globales Imperium, 218 nationale Verbände zählt der Internationale Tischtennis-Verband (ITTF) als Mitglieder. Die Einnahmen von Sponsoren und aus Fernsehverträgen steigen immer weiter, es gibt jede Menge Geld zu verteilen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis einmal ein Kampf um die Herrschaft über dieses Imperium ausbricht. Er wird gerade mit ziemlich schmutzigen Mitteln geführt.

An diesem Mittwoch kommt es am Rande der Weltmeisterschaft in Paris zum offenen Schlagabtausch. ITTF-Präsident Adham Sharara, ein 60 Jahre alter Kanadier mit ägyptischen Wurzeln, der seit 14 Jahren den Weltverband führt, wird von Stefano Bosi aus Italien herausgefordert. Der ist Präsident des Europäischen Tischtennis-Verbandes (ETTU). Der zwei Jahre jüngere Bosi will Sharara nicht nur stürzen und selbst Präsident werden, er beschuldigt ihn auch noch der Korruption: Sharara soll die ITTF um 20 Millionen Dollar betrogen haben.

Grundlage dieser Vorwürfe sind Immobiliengeschäfte. Sharara hat Grundstücke der ITTF an die Firma seiner Frau verkauft. Das sieht in der Tat merkwürdig aus. Aber Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) und Vizepräsident der ITTF, sagt: „Sharara hat dadurch keinen Gewinn abgeschöpft. An den Vorwürfen von Bosi ist schlicht nichts dran.“ Auch einen Wirtschaftsprüfer hat Weikert die Dokumente noch einmal sichten lassen, der hätte ebenfalls nichts zu beanstanden gehabt.

Weikert unterstützt Sharara weiterhin. Es gibt im Weltsport wohl wenige Präsidenten, die ihre Sportart derart verändert haben wie der ehemalige Nationalspieler Sharara das Tischtennis. Unter seiner Führung wurde die Zählweise von 21 Gewinnpunkten pro Satz auf 11 Punkte reduziert, dadurch gibt es mehr knappe und spannende Spielsituationen. Um etwas Tempo aus dem Spiel herauszunehmen, ließ Sharara den Durchmesser der Bälle von 38 auf 40 Millimeter vergrößern. Und die Aufschläge wurden auch noch entschärft.

Leben ohne Veränderung scheint für ihn langweilig zu sein. „Ich bin kein Freund von Veränderungen als Selbstzweck. Alle Veränderungen waren notwendig, um den Sport zu verbessern und zu modernisieren“, sagte er nun dem Tagesspiegel. Sein größter Erfolg seien ohnehin nicht die Regeländerungen gewesen. „Das Wichtigste in meiner Amtszeit ist, Tischtennis durch ein sehr aggressives Entwicklungsprogramm in alle Ecken der Welt zu bringen.“

Diplomatie und eine gute Vorbereitung seien die Eigenschaften, die ihm zur Durchsetzung seiner Pläne verholfen hätten, glaubt Sharara. Beides wird er sicher auch in diesen Tagen eingesetzt haben, um seine Abwahl zu verhindern. Die Vorwürfe seien haltlos sagt Sharara, und er werde rechtliche Schritte gegen Bosi prüfen. Ans Aufgeben habe er auch in schwierigen Momenten seiner 14-jährigen Amtszeit nicht gedacht: „Ich bin keiner, der aufgibt. Ich hoffe, noch eine Periode bleiben zu können und dann abzutreten.“

Einiges wird davon abhängen, ob ihn die Tischtennis-Großmacht China noch an der Spitze duldet. Nicht alle Veränderungen Shararas passen den Chinesen, und bei den letzten Olympischen Spielen wurden in den Einzelwettbewerben nur noch jeweils zwei Starter aus jedem Land zugelassen. So blieb wenigstens die Bronzemedaille für ein anderes Land übrig, bei den Männern gewann sie der Niedersachse Dimitrij Ovtcharov.

Allerdings haben alle Veränderungen des Spiels die Vormachtstellung der Chinesen auch nicht infrage gestellt, sie ist eher noch gefestigt. „Die Dominanz der Chinesen ist sicherlich eine Sorge von uns“, sagt Sharara. „Wir hoffen, den chinesischen Verband dazu zu bringen, sich weiter zu öffnen und anderen Ländern zu helfen. Aber noch wichtiger ist es, dass wir andere ehrgeizige Länder wie Japan, Frankreich oder Deutschland ermutigen, aus eigener Kraft nach der Spitze zu streben.“

Die Wahl Bosis dagegen würde schon Europa spalten können. Während Frankreich sich auf Bosis Seite geschlagen hat, wäre seine Wahl für DTTB-Präsident Weikert ein großes Unheil. Denn was das Welttischtennis unter dem Italiener zu erwarten habe, das hätte dessen Amtsführung als Präsident des europäischen Tischtennisverbands gezeigt: „keine Entwicklung, keine Ideen“.

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