Sport : Titel für die zweite Reihe

Das deutsche Tennis setzt auf den Nachwuchs

Jörg Petrasch

Seeburg - Sie hatte gekämpft, gehadert und geschimpft. Die 25-jährige Kristina Barrois wollte bei ihrem vierten Versuch unbedingt den Titel der Deutschen Meisterin im Tennis gewinnen. Als die Fed-Cup-Spielerin in Seeburg bei Spandau endlich den Pokal in ihren Händen hält, war sie sichtlich erleichtert. „Wenn man zu den Besten gehören will, muss man den Titel mal gewinnen“, sagt die Favoritin und 117. der Weltrangliste. Allerdings waren die Allerbesten gar nicht erst am Start.

Vor allem bei den Männern gilt das Turnier als Herausforderung für die jüngeren Spieler aus der zweiten und dritten Reihe. Mit Tobias Summerer gewann ein 23-Jähriger gegen den 20-jährigen Tobias Kamke. An Kamke, der in diesem Jahr Abitur gemacht hat, glaubt immerhin der ehemalige Wimbledon-Sieger Michael Stich – eine Art Mentor für den Lübecker. „Er kann einer werden“, sagt Stich. Zu Kamkes Stärken zähle, dass er seine spielerischen Möglichkeiten richtig einschätze. Bei seiner Final-Niederlage (6:2, 3:6, 5:7) konnte er allerdings seine zahlreichen Chancen noch nicht nutzen. Immerhin lebt und trainiert die Nummer 443 der Weltrangliste erst seit einem halben Jahr wie ein Profi. Sein Ziel sind die Top-100 der Welt, dort will der Rechtshänder bis übernächstes Jahr hin.

Sportdirektor Klaus Eberhart hofft auf die Nachwuchsspieler aus dem Finale und auch den 20-jährigen Halbfinalisten Andreas Beck: „Außer Thommy Haas und Nicolas Kiefer können sie allen anderen Spielern vor ihnen Paroli bieten.“ Und vor Meister Summerer rangieren immerhin 17 deutsche Spieler in der Weltrangliste, die in Seeburg nicht teilnahmen. Unter Experten werden auch Mischa Zverev große Schritte zugetraut. Der 19-Jährige belegt aktuell die Position 151 in der Welt. Er und die anderen deutschen Profis regenerieren sich gerade und bereiten sich auf die Australien Open im Januar vor. Gerade die Dichte an Talenten macht Eberhard zuversichtlich: „Es geht aufwärts im deutschen Tennis.“

Doch dem Aufschwung stehen oft Alltagsprobleme im Weg. Schulabschluss und Ausbildung sind den jungen Spielern wichtig. Ein Benjamin Becker oder Alexander Waske wurden erst mit Mitte 20 richtig gut, nach dem Studium. Kampke, Summerer und Beck könnten auch diesen Weg gehen. Auch Michael Stich hat erst nach dem Abitur richtig mit dem Training begonnen. Er gewann dann auch den nationalen Titel – wie auch einmal Michael Kühnen, Nicolas Kiefer, Rainer Schüttler und Steffi Graf.

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