Tod eines Fußballers : Sevilla weint

Der Tod des 22-jährigen Antonio Puerta erschüttert den spanischen Fußball. Puerta hinterlässt eine im achten Monat schwangere Lebensgefährtin.

Julia Macher
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Der am Dienstag verstorbene Verteidiger Antonio Puerta ist in Sevilla beigesetzt worden. -Foto: dpa

BarcelonaAls die Spieler des FC Sevilla in einem Athener Hotel erfuhren, dass ihr Mitspieler Antonio Puerta verstorben ist, spielten sich erschütternde Szenen ab. Vereinspräsident José María del Nido und zahlreiche Spieler brachen in Tränen aus. „Heute ist einer der traurigsten Tage in unserer Geschichte“, sagte del Nido später. „Unser Diamanten-Linksverteidiger hat uns verlassen.“ Das Team reiste noch in der Nacht nach Sevilla zurück und nahm im Sánchez-Pizjuán-Stadion, wo der Leichnam aufgebahrt war, an einem Gottesdienst teil. Gestern wurde Puerta beigesetzt.

Der 22-Jährige war am Samstag im Ligaspiel gegen Getafe auf dem Rasen zusammengebrochen. Zwar erlangte Antonio Puerta wenige Minuten später wieder das Bewusstsein und konnte noch selbst vom Spielfeld gehen. In der Kabine erlitt Antonio Puerta jedoch einen Herzstillstand und wurde, nachdem der Mannschaftsarzt ihn mit dem Defibrillator wiederbelebt hatte, ins Krankenhaus bebracht. Dort versetzten ihn die Ärzte in ein künstliches Koma. Fünfmal blieb sein Herz stehen, Ursache waren nach Angaben der Ärzte schwere Rhythmusstörungen, möglicherweise aufgrund einer angeborenen Anomalie. Am Dienstag starb der Fußballer an mehrfachem Organversagen. Puerta hinterlässt eine im achten Monat schwangere Lebensgefährtin.

Auf Initiative des FC Sevilla hat der Europäische Fußballverband Uefa das für Dienstag anberaumte Champions-League-Qualifikationsspiel gegen AEK Athen abgesagt und auf den 3. September verschoben. Das am Freitag in Monaco geplante europäische Supercup-Finale zwischen dem FC Sevilla und dem AC Mailand soll allerdings stattfinden.

Antonio Puerta, der bereits ein Spiel für die Nationalmannschaft bestritt, habe eine großartige sportliche Zukunft bevorgestanden, sagte Joaquín Caparrós, der frühere Trainer des FC Sevilla: „Er war ein hervorragender Fußballer und ein außergewöhnlicher Mensch.“ Von einer möglicherweise angeborenen Krankheit habe er nichts gewusst. Antonio Puerta, der für seine Kraft und schnellen Sprints bekannt war, bestand zu Saisonbeginn alle medizinischen Tests.

Allerdings erinnern sich Teamkollegen an mindestens zwei vorangegangene Vorkommnisse. Im Sommer 2006 brach Puerta in der Halbzeit eines Freundschaftsspiels auf dem Weg in die Kabine zusammen und erlitt schwere Krämpfe. Und erst vor wenigen Wochen war der Teamkollege des früheren Stuttgarters Andreas Hinkel nach einem Training ohnmächtig geworden, was die Ärzte damals mit Hitze und Erschöpfung erklärten.

In vielen Sportarten würde nicht genug unternommen, um die Zahl solcher Unglücksfälle zu minimieren, sagte Hans-Georg Predel, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln. In Spanien ist es den Fußballklubs überlassen, wie umfangreich sie ihre Profis durchchecken. Im deutschen Profifußball hingegen hat der DFB seit 1999 die Vereine verpflichtet, ihre Akteure umfangreichen kardiologischen Untersuchungen zu unterziehen. mit dpa

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