Sport : Tod eines Radfahrers

Der Franzose Fabrice Salanson stirbt vor dem Auftakt der Deutschland-Tour – die Ursache ist noch unbekannt

Hartmut Scherzer

Dresden. Der Auftakt hätte so schön und stimmungsvoll sein können: Die Sonne strahlte über der Semperoper und spiegelte sich glitzernd in der Elbe. Die Dresdner hatten sich zur Mittagszeit erwartungsvoll zu Tausenden rund um den Theaterplatz versammelt, um die Helden der Landstraßezur Deutschland-Tour zu verabschieden. Doch statt fröhlicher überall nur betroffene und traurige Gesichter, gesenkte Häupter im Fahrerpulk. Schweigeminute für einen jungen toten Kollegen. Der 23 Jahre alte Franzose Fabrice Salanson war am Morgen von einem Mannschaftskollegen tot neben seinem Hotelbett gefunden worden. Salansons Mannschaft Brioches La Boulangère verzichtete auf einen Start und zog sich von der Deutschland-Tour zurück.

Ratlosigkeit und Traurigkeit begleiteten das Peloton. „Wir haben davon heute Morgen auf der Fahrt zum Start gehört – das war ein großer Schock", sagte Tobias Steinhauser, Jan Ullrichs Freund und Helfer im neuen Team Bianchi.

Die Todesursache sei noch nicht geklärt, teilte Rennleiter Roland Hofer in einer ersten Stellungnahme mit. „Der Notarzt war da. Die Kriminalpolizei ermittelt", sagte der Rundfahrt-Chef aus der Schweiz. „Aber es wurde keine Fremdeinwirkung festgestellt und wurden auch keine Medikamente gefunden." Wenn ein Radprofi auf mysteriöse Weise zu Tode kommt, wird sofort über Doping spekuliert. Einen ähnlich mysteriösen Todesfall im Radsport hatte es erst Anfang Januar gegeben, als der italienische Radprofi Denis Zanette während einer Zahnbehandlung an Herzversagen gestorben war. Bei ihm hatte sich der eilig geäußerte Doping-Verdacht nicht bestätigt. Zanette hatte unter einem angeborenen Herzproblem gelitten.

Im Fall Salanson hieß es in einer ersten offiziellen Pressemitteilung, der Fahrer sei eines „natürlichen Todes gestorben“. Rennleiter Hofer berichtete: „Salanson ist am vergangenen Sonntag noch ein Rennen gefahren. Er fühlte sich gestern Abend noch wohl, hat gescherzt und ist früh ins Bett gegangen.“ Der Zimmerkollege Sebastian Chavanel habe Salanson tot aufgefunden, als er ihn um 8.30 Uhr zum Frühstück wecken wollte.

„Scheiße, das Leben ist so zynisch", sagte Jens Voigt. Als Kapitän der Mannschaft Crédit Agricole ist Voigt auf den französischen Landstraßen zu Hause und kannte Salanson als „einen offensiven Fahrertyp“. Salanson hatte zu den hoffnungsvollsten Talenten des französischen Radsports gezählt. 2000 wurde er Profi, fuhr in den ersten drei Jahren für das Team Bonjour, errang zwei Siege bei Etappen der Tour de l’Avenir (2000) und des Grand Prix Midi Libre und wurde für diese Saison von Brioches La Boulangère als Kapitän verpflichtet. Bei der Deutschland-Tour hatte er im vergangenen Jahr mit einem Solo über 120 Kilometer Aufsehen erregt.

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