Sport : Togos Tohuwabohu

Trainer Pfister tritt vom Rücktritt zurück – vorerst

Oliver Trust

Ettlingen - Kurz bevor Winfried Schäfer die Wasserkästen in sein Haus in Ettlingen bei Karlsruhe getragen hatte, erreichte die Trainerposse bei WM-Teilnehmer Togo einen neuen Höhepunkt. Draußen vor der Tür hatte das ZDF einen Ü-Wagen geparkt, um ein Interview mit Schäfer zu führen, weil dieser möglicherweise neuer Trainer Togos für die Dauer der WM und Nachfolger des vergangenen Freitag unter Tränen zurückgetretenen Otto Pfister werden sollte. Um kurz nach 16 Uhr aber sagte eben jener Otto Pfister den Nachrichtenagenturen: „Ich komme zurück und werde beim ersten Spiel am Dienstag auf der Bank sitzen.“

Damit ist das Chaos um das WM-Team Togos endgültig perfekt. Denn Pfister sagt: „Ich weiß nicht, für wie lange ich das mache.“ Viele Spieler hätten ihn nach dem Rücktritt angerufen und ihn gebeten, zurückzukommen. „Ich habe dann auf ein Fax des Verbandspräsidenten Gnassingbe bestanden, das dann auch kam“, berichtet Pfister. Niemand kann sagen, wie die groteske Geschichte weitergeht.

Am späten Vormittag des Montags wartete Winfried Schäfer auf einen Anruf des togoischen Verbandes. Am Sonntag hatte er in Wangen im Allgäu mehrere Stunden erfolglos mit dem Verband Togos über einen Vertrag für die Dauer der WM verhandelt, danach drangen immer wieder Kommentare Schäfers nach außen, die zunehmende Verärgerung erahnen ließen. Gestern, also einen Tag vor dem heutigen Gruppenspiel gegen Südkorea (15 Uhr), wollte der togoische Verband eine Entscheidung treffen. „Wenn die sich nicht bis 15 Uhr melden, will ich nicht mehr“, sagte Schäfer. Ein Teil der Verbandsfunktionäre soll den „Afrika-Experten“ (Verbandssprecher Messan Attolou) gerne als Nachfolger von Otto Pfister (68) gesehen haben. Auch der Sportartikelhersteller Puma bemühte sich darum, die Situation zu regeln.

Pfister war am Freitag regelrecht geflüchtet, weil seine Spieler dreimal das Training verweigerten, da der Verband zugesagte WM-Prämien nicht zahlte. Es gäbe kein Zurück mehr, hatte Pfister noch am Wochenende betont. Nun ist er vom Rücktritt zurückgetreten. Pfister war erst im Februar 2006 als Nationaltrainer Togos berufen worden. Der dritte Assistenztrainer, ein gewisser Kodjovi Mawuena, aber saß bei der letzten Pressekonferenz am Sonntagabend in Wangen und fühlte sich kurzzeitig als neuer Nationaltrainer. Er sei sicher, am Dienstag auf der Bank zu sitzen – als Cheftrainer, sagte er.

Und was macht nun der Beinahe-Trainer Winfried Schäfer? „Ich habe, kurz bevor ich das mit Otto Pfister gehört habe, beim Puma-Vorstand Horst Widmann angerufen und gesagt, ich habe keine Lust mehr, er soll alle Bemühungen einstellen“, sagte er, „ich bin froh, dass es vorbei ist.“

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