Sport : Tokio Hotel am Barren

Fabian Hambüchen ist ein turnender Popstar

Jürgen Roos

Stuttgart - Hinter ihm eine Wand aus Beton, vor ihm eine aus jungen Menschen: Fabian Hambüchen ist es beim DTB-Pokal in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle mal kurz mulmig geworden, als ihn fast 500 Fans bedrängten. Dann griff Hambüchens Manager Klaus Kärcher ein und schickte ein paar Ordner los, um den Turner aus der misslichen Lage zu befreien. Hambüchen, mit 1,63 Metern nicht viel größer als viele seiner Verehrerinnen, atmete danach tief durch. „Das war ja schlimmer als der Wettkampf“, sagte er. Er schmunzelte.

Es blieb die einzige Szene, die beim Weltcupturnier in Stuttgart an einen Auftritt der Kinderpopband Tokio Hotel erinnerte. Sonst verlief beim ersten Auftritt des 19-Jährigen in Deutschland nach seinen WM-Bronzemedaillen in der Woche zuvor alles in geordneten Bahnen. „Turnfans sind gut erzogen“, sagt Kärcher, der zufrieden zur Kenntnis nahm, dass sein Schützling in Stuttgart der absolute Star war. Was daran lag, dass Hambüchen nach der WM kein bisschen müde war, am Boden gewann, am Sprung, Barren und Reck Platz vier belegte.

Der kleine Turner aus Wetzlar sah den Rummel um seine Person ganz pragmatisch: „Wenn’s gut läuft, habe ich kein Problem damit, wenn’s schlecht läuft, sieht das schon ein bisschen anders aus.“ Er sagte das in der Interviewzone, flankiert von Manager Kärcher und seinem Onkel und Mentaltrainer Bruno Hambüchen, die ganz genau hinhörten. Ein leicht übertriebener Auftritt mit zwei Bodyguards?

„Das fällt hier nur so auf, weil es beim Turnen nicht üblich ist“, sagt Klaus Kärcher. Der Stuttgarter hat schon die Eisschnellläuferin Anni Friesinger und die Sportgymnastin Magdalena Brzeska groß gemacht. In ein Interview eingreifen würde der Manager nicht. Sagt er. „Fabian ist ein cleverer Bursche, er hat immer Antworten und bekommt das ganz alleine hin.“ Alle waren bemüht, Hambüchen als Star ohne Allüren zu beschreiben. Was nicht besonders schwer war, weil der kleine Turner mit seiner Art den wichtigsten Teil zur positiven Selbstdarstellung persönlich erledigte.

Der DTB-Pokal war der Beweis: Knapp zehn Monate vor der Weltmeisterschaft 2007 in Stuttgart ist Hambüchen gut positioniert auf dem deutschen Sportmarkt. Den Bekanntheitsgrad von Reck-Weltmeister Eberhard Gienger dürfte er schon erreicht, den von Reck-Olympiasieger Andreas Wecker übertroffen haben. Hambüchens Manager Kärcher ist trotzdem noch nicht zufrieden. „Gerade bei solchen Veranstaltungen müssen wir schauen, wie können wir aufbessern und veredeln“, sagt er, „nur der sportliche Erfolg reicht nicht“. Genau wie der Deutsche Turner-Bund (DTB) sieht Kärcher die WM 2007 als die große Chance für eine Sportart an, die zehn Jahre lang vor sich hin dümpelte und zeitweise nicht mehr öffentlich stattfand.

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