Sport : Tokio statt Leipzig

Bayern unterliegt dem VfB im Ligapokal mit 1:2

Daniel Pontzen[München]

Als Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer gestern nach zweiminütiger Nachspielzeit das Ligapokal-Halbfinale zwischen Bayern München und dem VfB Stuttgart abpfiff, hatten es die Hausherren eilig: Exakt eine Stunde und 54 Minuten blieb ihnen für Duschen, Föhnen, eine Busfahrt und den Sicherheitscheck am Münchner Flughafen. Für Punkt 0.15 Uhr war eine Maschine nach Tokio gebucht, wo der FC Bayern einige Tage Direktmarketing in eigener Sache betreibt, dabei zwei Schaukämpfe gegen lokale Teams absolviert, ehe es Sonntag zurück nach München geht. Immerhin bleibt dann ein wenig Zeit, den werbebedingten Jetleg zu kurieren, denn das Ligapokal-Finale in Leipzig kommenden Dienstag kann der FC Bayern aus dem Terminkalender streichen: Der VfB Stuttgart siegt gestern keineswegs unverdient mit 2:1 (1:1).

Die Bayern starteten schwungvoll ins erste Pflichtspiel in ihrer neuen sportlichen Heimat, der Allianz-Arena. Gerade die Spätheimkehrern Sebastian Deisler und Bastian Schweinsteiger, die wie alle anderen Confed-Cup-Teilnehmer erst vor sechs Tagen ins Training eingestiegen waren, hatten nach der kurzen Auszeit offenbar wieder große Lust, sich in ihrem Beruf zu verausgaben. Die erste Torchance der Bayern fädelte Deisler, der für den geschonten Michael Ballack im zentralen Mittelfeld begann, mit einem geschicktem Zuspiel auf Hasan Salihamidzic ein, doch dessen Hineingabe drosch Roque Santa Cruz übers Tor. Ertragreicher war der Abschluss seines Angriffskollegen Roy Makaay. Der Niederländer drückte eine Flanke von Schweinsteiger mit geringer Wucht Richtung Timo Hildebrand, doch während der Stuttgarter Torwart offenbar gedanklich schon beim anschließenden Abwurf war, flutschte ihm der Ball durch die Arme und kullerte über die Linie.

Weniger Abwehrmöglichkeiten hatte später Bayerns Torwart Michael Rensing, der den rückenverletzten Oliver Kahn vertrat. Thomas Hitzelsperger, einer der engagiertesten im Team von Giovanni Trapattoni, lief einige Schritte Richtung Münchner Tor und drosch den Ball ansatzlos ins Toreck zum 1:1. Die unschönste Szene der ersten Halbzeit steuerte Owen Hargreaves bei: Der Engländer drückte per Kung-Fu-Tritt den Abdruck seiner Stollen in den Oberschenkel von Christian Tiffert. Von der sinnlosen Brutalität des Fouls in Höhe der Mittellinie konnten sich die Zuschauer in mehreren Zeitlupen auf der pixelstarken Videowand überzeugen, während Tiffert vom Platz getragen wurde. Zwei grobe Einsätzen des Münchner Verteidigungsduos Ísmael und Lucio wurden ebenfalls mit Verwarnungen prämiert

Beide Teams suchten nun die Entscheidung: Fernando Meira scheiterte jedoch ebenso von der Strafraumgrenze wie Makaay. Der Holländer konnte wenig später selbst aus günstigster Position nicht vollenden. Einen Handelfmeter schob er zu lasch in die linke Ecke, Hildebrand parierte. Die Strafe folgte eine Minute vor Schluss: Der eingewechselte Jon Dahl Tomasson setzte sich im Münchner Strafraum durch, passte wunderschön quer auf Martin Stranzl, der aus wenigen Metern mühelos vollendete.

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