Tommy Haas in Wimbledon : Mit 35 hat man noch Träume

Tommy Haas trifft im Achtelfinale von Wimbledon auf einen der wenigen verbliebenen Topspieler: den Weltranglistenersten Novak Djokovic. Vor drei Wochen trafen sich die beiden bei den French Open - und Djokovic gewann.

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Tommy Haas jubelt.
Jubelt er weiter? Thomas Haas fühlt sich so gut in Form wie lange nicht mehr.Foto: rtr

Am Sonntag war wieder Stille eingekehrt im All England Club. Nach dem hektischen Treiben der ersten Turnierwoche, als etliche Favoriten schon so früh stürzten und sich viele Spieler laut über den doch viel zu rutschigen Rasen beschwerten, lag der Club nun friedlich im warmen Sonnenlicht. Nur das gedämpfte Ploppen der Tennisbälle hallte von den Trainingsplätzen im Aorangi-Park an der Nordseite der Anlage. Der sogenannte Middle Sunday, an dem traditionell in Wimbledon nicht gespielt wird, war mehr denn je ersehnte Verschnaufpause – auch für Thomas Haas.

Denn an diesem Montag wartet eine so undankbare wie knifflige Herausforderung auf den besten deutschen Tennisprofi: Novak Djokovic, die Nummer eins der Welt. So kurios das Turnier im Südwesten Londons bisher verlaufen war, umso mehr könnte sich Haas ärgern, dass es ihn nun im Achtelfinale so arg erwischt. Wo doch etliche gesetzte Spieler längst ausgeschieden sind. Es hätte so viel leichter für Haas sein können, endlich einmal.

Gerade für einen wie ihn, mit dem es das Schicksal in seiner Karriere schon oft nicht allzu gut gemeint hatte. Besonders in Wimbledon, wo ihm jahrelang das Pech anzuhaften schien: Mal trat Haas beim Einspielen auf einen Ball und musste aufgeben. Mal vermieste ihm ein zwickender Bauchmuskel ein Duell mit Roger Federer. Doch Haas hadert nicht mehr. Er hat mittlerweile gelernt, die Dinge anzunehmen, die sich ohnehin nicht ändern lassen. „So ist der Sport eben. Warum soll ich mich aufregen?“, meinte Haas, „ich fühle mich so gut wie lange nicht mehr. Ich bin bereit für Novak – und heiß sowieso.“

Tommy Haas: 2009 stürmte er bis ins Halbfinale - und besiegte auf dem Weg dorthin Novak Djokovic

Es hatte lange gedauert, bis Haas seinen Frieden mit Wimbledon gemacht hatte. 2009 stürmte er bis ins Halbfinale, wo er Federer unterlag. Auf dem Weg dorthin bezwang Haas Djokovic, wie schon kurz zuvor im Finale von Halle. Es waren ihre bisher einzigen Begegnungen auf Rasen. Im Frühjahr konnte Haas den Serben dann in Miami besiegen. Erstmals, seit dieser die Rangliste anführt. Zuletzt spielten sie vor drei Wochen im Viertelfinale der French Open gegeneinander, den Sieg musste sich Djokovic erkämpfen. Der Serbe ist also gewarnt. „Es gibt keinen eindeutigen Favoriten in diesem Match“, betonte Djokovic. „Ich muss mein Bestes spielen, um eine Chance zu haben. Tommy sieht sicher nicht aus wie ein 35-Jähriger.“

Dabei kann Haas das Bohei um sein betagtes Sportleralter und seine Verletzungsmisere längst nicht mehr hören. Obwohl ihm die Konkurrenz kollektiv hohen Respekt für seine Unermüdlichkeit zollt. Doch Haas will nicht als alter, rekonvaleszenter Profi wahrgenommen werden, sondern einfach als richtig guter Tennisspieler. „Ja, ich bin 35. Aber dafür kriege ich trotzdem nicht in jedem Spiel 30:0 als Vorsprung geschenkt“, meinte Haas leicht genervt. „Ich kriege keine Almosen, nur weil ich fünf Operationen hatte – ich muss mir alles verdienen.“ Und das hatte er in den letzten Monaten einmal mehr eindrucksvoll getan.

Bis auf Weltranglistenplatz 11 kämpfte er sich vor und in München holte er sich im Frühjahr seinen 14. Titel. Doch die großen Matches sind es, für die sich Haas täglich schindet. Und so ist ein Duell mit dem Besten der Branche auf dem Centre Court von Wimbledon genau das, was ihn mit 35 Jahren noch antreibt. „Ich habe immer Ziele und Träume“, sagte Haas: „Wenn man die nicht hat, warum sollte man dann überhaupt spielen?“

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