Toni Kroos : Schluss mit der Bescheidenheit

Er greift an und kämpft um einen Stammplatz beim Deutschen Meister: Toni Kroos will sich beim FC Bayern durchsetzen.

Sebastian Krass
Kroos
Jürgen Klinsmann weist Toni Kroos den Weg. -Foto: dpa

MünchenIn den Sommerferien hat es Toni Kroos zum ersten Mal erwischt. Er fuhr mit dem Dienstwagen durch seine Rostocker Heimat und wurde geblitzt: 16 Stundenkilometer zu schnell. „Das hat 35 Euro gekostet, konnte ich gerade noch zahlen“, erzählt der 18-Jährige, der seit einem halben Jahr den Führerschein und etwa genauso lang einen Profivertrag beim FC Bayern München (bis 2012) hat. „Aber in der Probezeit muss man da ganz schön aufpassen.“ Er hat seine Lektion gelernt. An seinem Umgang mit dem Automobil lässt sich einiges über Kroos’ Naturell ablesen. Wie die anderen Profis durfte auch er sich einen Wagen aus dem Sortiment des Kfz-Ausrüsters der Bayern aussuchen. Er nahm erstmal ein Cabrio der gehobenen Mittelklasse – und keinen Zwölfzylinder, wie ihn so mancher seiner Mannschaftskameraden fährt. Kroos weiß, dass das eine symbolbeladene Entscheidung ist und dass in Fragen abseits des Sportlichen vorerst Zurückhaltung geboten ist.

Wenn es aber direkt um seine berufliche Tätigkeit geht, tritt das Bemühen um Bescheidenheit in den Hintergrund. „Ich will so bald wie möglich Stammspieler werden. Die Qualität, das zu schaffen, habe ich“, sagt Kroos, dem Bayernmanager Uli Hoeneß vor lauter Begeisterung über die Anlagen des jungen Kickers die derzeit nicht vergebene Nummer 10 reserviert hat – für den Tag, an dem er die Rolle ausfüllen kann. Zunächst aber will Kroos sich im stark besetzten Mittelfeld des FC Bayern nicht mehr mit einem Platz im Beiboot begnügen. Nach 20 Pflichtspieleinsätzen bei den Profis in der vorigen Saison sieht er sich der Reserve entwachsen.

„Wie meine erste Saison gelaufen ist, war nicht alltäglich“, sagt Kroos. Er weiß seine bisherige Profibilanz aber auch einzuordnen. Von jenem Uefa-Pokal-Spiel bei Roter Stern Belgrad im Oktober 2007 etwa will er nichts mehr wissen. Damals brachte er, noch 17 Jahre alt, mit einem Tor und einer Vorlage die Wende zum 3:2-Sieg und war plötzlich in aller Munde: „Was war schon beim Belgrad-Spiel? Da habe ich die letzten zehn Minuten gespielt, einen Freistoß reingeschossen, den Miro ins Tor geköpft hat, und ein Ball von mir ist durchgekullert.“ In der Rückrunde hat man nicht mehr viel von Kroos gehört. „Da habe ich plötzlich drei, vier Wochen kein Spiel mehr gemacht, ohne zu wissen, warum. An der Leistung kann es nicht gelegen haben.“ Ein Seitenhieb auf Ottmar Hitzfeld. Nicht nur Kroos tat sich unter dem damaligen Trainer schwer, auch prominentere junge Spieler wie Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski sind unter Hitzfeld nicht zu besseren Fußballern geworden. Kroos spricht offen über seine Hoffnungen in Hitzfelds Nachfolger Jürgen Klinsmann: „Bei ihm hat man das Gefühl, dass er auf die jungen Spieler setzt. Er ist motivierender, frischer und voll dabei, was bei Hitzfeld zuletzt nicht mehr so der Fall war.“

Einen Eindruck von Kroos’ aktuellem Leistungsvermögen kann man sich am heutigen Mittwoch machen, wenn der FC Bayern bei Borussia Dortmund zu einer Neuauflage des Pokalfinales antritt, immerhin der erste Test der Bayern gegen ein hochklassiges Team (20.30 Uhr, live auf Sat 1). Zum Unmut der restlichen Liga haben die beiden Vereine dem Freundschaftskick den hochtrabenden Titel „Supercup“ verliehen. Kroos rechnet fest mit seinem Einsatz, zumal Klinsmann die deutschen EM-Teilnehmer noch schonen will. Er will eben möglichst schnell auch die Nummer 10 auf dem Rücken tragen – anstelle der 39.

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