• Toni Kroos vor Länderspiel: „Der Titel könnte für den Kopf ein Problem sein“

Toni Kroos vor Länderspiel : „Der Titel könnte für den Kopf ein Problem sein“

Weltmeister Toni Kroos spricht über die schwierige Motivation für das EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland, seinen gestiegenen Status in der Öffentlichkeit und die Gründe seines Wechsels von Bayern zu Real Madrid.

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Toni Kroos, 24, wurde in Greifswald geboren und wuchs dort auf. Über die Stationen Hansa Rostock, Bayer Leverkusen und Bayern München kam er vor dieser Saison zu Real Madrid. Seit 2010 ist er deutscher Nationalspieler.
Toni Kroos, 24, wurde in Greifswald geboren und wuchs dort auf. Über die Stationen Hansa Rostock, Bayer Leverkusen und Bayern...Foto: dpa

Herr Toni Kroos, wären Sie gern Kapitän der Nationalmannschaft geworden?

(Lacht) Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich es werde. Ich weiß auch nicht, ob diese Entscheidung wirklich so extrem wichtig ist. Es muss einen Kapitän geben, das ist nun mal so. Aber was dann immer daraus gemacht wird … Philipp Lahm hat sich als Kapitän nicht wichtig genommen. Das hat mir gefallen. Bei uns hat jeder, der schon lange dabei ist, ein Meinungsrecht. Ich brauche die Binde nicht, um meine Meinung zu sagen, nicht auf dem Platz und auch nicht abseits des Platzes.

Für die Öffentlichkeit ist die Binde sichtbarer Ausdruck dafür, dass jemand wichtig ist …

… ja, für die Öffentlichkeit …

… und Sie sind in den vergangenen Wochen wichtiger geworden, vor allem während der WM.

Es ist mir nicht wichtig, für die Öffentlichkeit wichtig zu sein. Das war nie mein Ziel. Ich will für die Mannschaft wichtig sein und für den Trainer. Das bin ich, und das war ich auch schon, bevor ich während der WM für die Öffentlichkeit wichtig wurde. Da gibt es schon eine klare Reihenfolge: Was bringt es, wenn die Öffentlichkeit mich toll findet, aber der Trainer mich nicht spielen lässt?

Hat sich Ihr Meinungsrecht in den vergangenen Wochen erweitert?

Natürlich gibt so eine WM einem noch mal einen Schub. Aber seit meinem Wechsel von Leverkusen vor vier Jahren war ich Stammspieler bei Bayern. Da ist es ganz normal, dass man immer mehr Selbstvertrauen bekommt, dass man vom Standing immer mehr zulegt. Ich hätte nicht erst die WM gebraucht, um meine Meinung mannschaftsintern kundtun zu dürfen oder zu können. Das war vorher schon so.

Es kann ja nicht schaden, wenn das auch die breite Masse zur Kenntnis nimmt.

Ich glaube schon, dass es bei vielen vor allem während der WM, aber auch schon davor einen Meinungsumschwung gegeben hat, nach dem Motto: Oh, der kann das ja doch, der ist ja doch in den wichtigen Spielen da. Ich wusste, dass es so ist. Die Mannschaft wusste, dass es so ist. Der Trainer wusste, dass es so ist. Und jetzt ist es wohl auch draußen so angekommen. Das ist ein schöner Nebeneffekt, und ich registriere es auch.

Genießen Sie es auch ein bisschen?

In erster Linie registriere ich das. Natürlich ist es immer angenehmer, wenn man positiv gesehen wird. Aber es war auch in der Zeit nicht anders, als manche Leute gesagt haben: Das wird nichts mehr. Egal ob positiv oder negativ: Ich bin kein Mensch, der sich da einen Kopf macht. Weil ich immer um mein Standing wusste und die Meinung meiner Trainer kannte. Die ist für mich entscheidend.

Kommt da Ihre Herkunft aus Mecklenburg-Vorpommern durch?

Ja, Gott sei Dank (lacht). Ich lasse mir jetzt auch nicht von jedem auf die Schultern klopfen, weil es gerade besonders gut läuft. Es ist nicht so, dass mir das gleichgültig ist, aber ich bleibe ruhig. Gedanken würde ich mir erst machen, wenn ich das Gefühl hätte, dass die Mannschaft mich oder meine Art des Fußballspielens nicht mehr will, oder der Trainer nicht zufrieden ist.

Woran würden Sie das merken?

Dass ich nicht mehr dabei bin, keine Rolle mehr spiele, die Mitspieler ein schlechtes Gefühl haben, mir den Ball zu geben. Aber das habe ich nicht. Das hatte ich eigentlich noch nie. Ich war immer im Austausch mit Bundestrainer Joachim Löw, egal ob ich 2012 bei der EM wenig gespielt habe oder ob ich absoluter Stammspieler war wie jetzt in Brasilien. Das gab mir immer das Gefühl und die Gewissheit, dass es gut wird, dass er auf mich baut. Dieses Vertrauen seitens des Trainers ist ganz wichtig.

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