Sport : Toni macht es alleine

Der Italiener erzielt alle drei Tore zum 3:0-Sieg des FC Bayern München bei Hannover 96

Erik Eggers[Hannover]

Valerien Ismael blieb gelassen. Eine 0:3 (0:0)-Heimniederlage liegt zwar hinter dem 32 Jahre alten Abwehrspieler von Hannover 96: Wieder ist es nichts mit dem ersten Heimsieg gegen die Bayern seit 1988. Aber Ismael ist erfahren genug, um zu wissen, dass dieses Resultat keinem Zufall entspringt. Die Ursache heißt Luca Toni. In der ersten Halbzeit noch weitgehend unauffällig, erzielte der Italiener nach der Pause alle drei Tore für die Bayern. Nach diesem Hattrick steht Toni nun mit 13 Tore allein an der Spitze der Torjägerliste. Aber es ist nicht nur das. „Wir waren nach dem 0:1 einfach ein bisschen durcheinander“, sagte Ismael. „Wir waren nicht mutig genug.“

Ein Eindruck, den sein Trainer Dieter Hecking teilt. „Die Bayern haben gesehen, dass wir uns nach dem 0:1 geschüttelt haben. Das ist eben doch ein Unterschied, wenn man sieht, mit welcher Robustheit die Bayern in die Zweikämpfe gehen.“ Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld lobte seinen Torjäger Luca Toni über alle Maßen: „Er ist ein Phänomen, er hat diesen ausgeprägten Killerinstinkt, er braucht einfach nicht viele Chancen.“ Dank Tonis Toren hat der Rekordmeister wieder drei Punkte zwischen sich und den Tabellenzweiten Werder Bremen gebracht.

Noch wichtiger ist allerdings die Erkenntnis, dass solche Tore und Siege (zumindest gegen Hannover) auch ohne den verletzten Franck Ribéry möglich sind, das französische Kreativzentrum des Münchner Offensivspiels. Hitzfeld jedenfalls hatte auch Gefallen gefunden an dem Auftritt des zuletzt häufig kritisierten Bastian Schweinsteiger, der Ribéry im linken Mittelfeld diesmal hervorragend vertrat. „Er hat Toni sehr gut eingesetzt“, sagte Hitzfeld, der die schwierigen Phasen in der ersten Halbzeit jedoch nicht vergessen hatte: „Wir haben uns erst nach 20 Minuten befreien können“

Es war eine feine Ironie, dass Ismael, der ehemalige Innenverteidiger Bayerns, in seinem erstem Pflichtspiel für Hannover 96 gegen seinen früheren Klub auflief. Schließlich war der Franzose, nachdem er von seinem Schien- und Wadenbeinbruch genesen war, von Trainer Hitzfeld so lange ignoriert worden, bis er sich zu einem Wechsel in die Niederungen der Bundesliga entschloss.

Ismael spielte von Anfang an, und trotz der fehlenden Matchpraxis mit achtbarer Leistung. Das gerühmte Bayern- Duo im Sturm, Toni und Miroslav Klose, konnte sich gegen kompromisslos auftretenden Franzosen zunächst kaum durchsetzen. Dass der Italiener in der 18. Minute nach einer gefühlvollen Flanke Schweinsteigers einen gefährlichen Kopfball setzte, blieb noch die Ausnahme – Hannovers Torhüter Robert Enke verhinderte hier noch die Münchner Führung. Dennoch erspielte sich der Gast in der ersten Halbzeit deutlich bessere Chancen. In der 27. Minute hatte Hamit Altintop nach einem Pass von Toni die Gelegenheit, er traf den Ball jedoch nicht richtig. Kurz darauf vergab der Holländer Mark van Bommel zwei weitere gute Möglichkeiten.

Doch all diese Chancen waren nicht das Ergebnis einer brutalen bayrischen Dominanz. Hannover besaß kaum weniger Spielanteile, prallte aber immer wieder an der physisch starken Innenverteidigung der Bayern mit Daniel van Buyten und Lucio ab. Zudem störten auch die präsenten defensiven Mittelfeldleute van Bommel und Zé Roberto den Aufbau der Hannoveraner sehr wirksam. Erst zu Beginn der zweiten Halbzeit schöpften die Anhänger der 96er in der ausverkauften Arena Mut. Als Jan Rosenthal fünf Minuten nach der Pause die Sturmspitze Mike Hanke mit einem sensationellen Pass frei spielte, johlte das ganze Stadion auf. Doch Bayerns Torwart Oliver Kahn hielt Hankes unpräzisen Flachschuss sicher. Und dann reagierten die Bayern ihrer Klasse entsprechend und konterten die irritierten Niedersachsen innerhalb weniger Minuten aus.

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