Sport : Topalow zeigt Nerven, behauptet aber die Führung

Martin Breutigam

Wer kann Wesselin Topalow bei der Schach-WM noch einholen? Wohl niemand. Der 30-jährige Bulgare hat auch nach der zehnten von 14 Runden in der argentinischen Provinzstadt San Luis seine souveräne Führung behauptet. Beinahe hätte er sie sogar ausgebaut, aber im Duell gegen den Russen Alexander Morosewitsch zeigte Topalow erstmals Nerven, indem er nach der vierten Spielstunde eine klare Gewinnstellung noch zum Remis verdarb. Topalow hat nunmehr acht Punkte, mit deutlichem Abstand folgen Peter Swidler (6), Viswanathan Anand und Alexander Morosewitsch (je 5,5).

Vor der zehnten Runde war Morosewitsch, dem originellsten aller Spitzengroßmeister, einiges zugetraut worden. Nach drei Siegen in Folge hatte sich der 28-jährige Moskauer in die obere Tabellenhälfte gekämpft. In Sachen schachliches Verständnis steht er Topalow ohnehin nicht nach, noch vor einem Jahr lag er vor ihm in der Weltrangliste. Morosewitschs eigenwilliges Eröffnungsrepertoire gilt allerdings als Wettbewerbsnachteil, zumindest auf höchstem Niveau. Bislang verweigerte er sich dem theoretischen Mainstream, jenen Modeeröffnungen, die all seine Konkurrenten mit ihren Computern bis jenseits des 30. Zuges ausanalysiert haben. Diesmal wählte Morosewitsch das klassische Damengambit – und erhielt bis zu einem Fehler im 34. Zug eine Stellung mit gleichen Chancen (siehe Analyse).

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