Topspiel : Auch nur Fußballer

Der FC Schalke 04 bringt die Bayern in München an den Rand einer Niederlage. Die Hitzfeld-Truppe bleibt zum zweiten Mal in Folge ohne Sieg - und die Verfolger rücken auf.

Michael Neudecker[München]
Bundesliga
Kevin Kuranyi im Zweikampf mit Ze Robero. -Foto: dpa

Das hätte er einfach nicht tun dürfen. Reinrennen, Ball auffangen, Ball zurückwerfen, nein: Das geht nicht. Deshalb haben sie ihn auch gleich ausgewechselt, ein Betreuer hat ihn am Arm gezogen und nach draußen gebeten, es war die erste Auswechslung in diesem Spiel, FC Bayern gegen Schalke. Warum der Balljunge nach einer halben Stunde plötzlich auf den Rasen der Münchner Arena gelaufen war und den Ball vor der Auslinie abgefangen hatte, ist am Samstagnachmittag unklar geblieben, aber zu seiner Verteidigung muss man anführen: Er hat nur das getan, was alle hier getan haben – Einsatz gezeigt, Nerven gezeigt, und sich etwas zu aufgewühlt verhalten. So war das ja in diesem so genannten Spitzenspiel: Die Bayern und die Schalker rannten, dribbelten, sprangen, passten, und manchmal verloren sie den Ball, weshalb Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld hinterher sagte: „Beide Mannschaften haben sich den Punkt redlich verdient.“ Ein Sieg wäre ungerecht gewesen, das Ergebnis, 1:1 (0:1), war also völlig korrekt.

Nur anfangs bestimmten die Bayern das Spiel, in der ersten halben Stunde, dann kam der Moment, in dem sich Bayern-Torhüter Oliver Kahn erstmals richtig anstrengen musste: Der Schalker Ivan Rakitic zog aus 20 Metern einfach mal ab, und Kahn sprang, er flog, streckte sich – vergebens: Der Ball landete im Tor, 0:1. Dabei hätten eigentlich die Bayern führen müssen, doch sie hatten zumeist versucht, den Ball ins Tor zu zaubern statt zu schießen. „Als wir aufgehört haben zu zaubern, wurde es besser“, stellte Miroslav Klose hinterher fest.

Das Zaubern war schon nach jenen 36 Spielminuten, nach dem Tor zum 0:1 vorbei, weil Schalke eben Schalke ist und nicht Rostock und also mitspielte. Für die Zuschauer war dieser Treffer eine interessante Erfahrung: Die Bayern in Rückstand, das hatte man bei der neuen Mannschaft noch nie erlebt. Wie würden sie reagieren? Mit noch mehr Tempo, mehr Dribblings, mehr Schüssen? Nun: Die Bayern machten Fehler, allein Lucio, der den Gegentreffer mit einem gescheiterten Sololauf-Versuch eingeleitet hatte, schien zumeist mit der Müdigkeit zu kämpfen. Als die erste Hälfte zu Ende war, zeigten die Zuschauer, was sie von der neuen Erfahrung hielten: Sie pfiffen.

Vergangene Saison hätten die Zuschauer jetzt im Grunde nach Hause gehen können: Weil die Bayern Fehler selten wiedergutmachten und Spiele wie dieses häufig verloren. Doch die Bayern 2007/2008 sind eben doch anders, weshalb die Zuschauer blieben. Immerhin: Die Münchner traten nach dem Wiederanpfiff auf, als hätte das Spiel noch einmal neu begonnen, und in der 54. Spielminute glich Miroslav Klose per Kopf zum 1:1 aus. Keine zehn Minuten später hätte Klose auch auf 2:1 erhöhen können, doch er verpasste eine Flanke von Bastian Schweinsteiger knapp. „Schade, dass wir unsere Chancen nicht genutzt haben“, sagte später Luca Toni, der trotz Oberschenkelblessur überraschend in der Startelf stand. Vor allem er hatte eine ziemlich gute Chance, bei der er das Tor freistehend knapp verfehlte, weshalb Trainer Ottmar Hitzfeld hinterher bemerkte: „Wir waren zu wenig kaltschnäuzig.“

So ähnlich sprachen auch die anderen Bayern, dass man zufrieden sei, wenn auch ein wenig verärgert über die vergebenen Chancen (Hamit Altintop), und dass so eben Fußball sei (Marcell Jansen). Ein bisschen klang es, als wüssten die Bayern nicht so recht, was sie nun anfangen sollen mit diesem Spiel: Ein Punkt gegen Schalke nach einer durchaus ordentlichen Leistung, ist das gut oder schlecht?

Wahrscheinlich ist es in Ordnung. Weil die restliche Liga jetzt wenigstens weiß: Die Bayern haben auch nur ganz normale Fußballer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben