Topspiel in der Handball-Bundesliga : Rhein-Neckar Löwen empfangen Füchse Berlin

Die Rhein-Neckar Löwen haben den Abgang von Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer gut verkraftet – heute kommen die Füchse Berlin.

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Klappt das am Sonntag wieder? Die Berliner Ignacio Plaza Jimenez (l.) und Paul Drux.
Klappt das am Sonntag wieder? Die Berliner Ignacio Plaza Jimenez (l.) und Paul Drux.Foto: dpa/Gabbert

Die Nacht war lang, sehr lang sogar. Und sie endete zu einer Zeit, als der Ottonormalbürger schon wieder auf dem Weg zur Arbeit war oder zumindest zum Bäcker. „Das war ein Riesending für uns, wir haben wie die Verrückten gefeiert“, sagt Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen mit Blick auf den ersten nationalen Titel, den der Verein aus Mannheim im Sommer gewonnen hat: die Deutsche Meisterschaft. „Wir waren so oft so knapp gescheitert“, sagt Groetzki. Unvergessen bleibt das Drama am letzten Spieltag der Saison 2013/14, als nach 34 hart umkämpften Bundesliga-Spieltagen nur zwei Tore zum THW Kiel fehlten. „Deshalb ist uns umso mehr bewusst, was dieser Titel für den Verein bedeutet“, sagt Groetzki.

Mit der schönen Gewissheit, endlich das Image des ewigen Zweiten abgelegt zu haben, ging allerdings auch eine weniger schöne einher: dass es nämlich die vorerst letzte Partynacht mit Uwe Gensheimer war. Der Kapitän der Nationalmannschaft, zugleich bekanntestes Gesicht des Klubs, hat sich im Sommer nach Paris verabschiedet – und es gab nicht wenige, die sich daraufhin ernste Sorgen machten um die Konkurrenzfähigkeit der Löwen. Im Jahr eins nach Uwe Gensheimer und neun Bundesliga-Spieltage später lässt sich nun festhalten: alles ziemlich unbegründet. Oder wie Groetzki es formuliert: „Dafür, dass wir im Sommer starke Spieler verloren und viele neue dazubekommen haben, sind wir schon gut ins Rollen gekommen.“

Am Sonntag wollen die Mannheimer weiterrollen, dann empfangen sie zum Bundesliga-Spitzenspiel die Füchse Berlin (15 Uhr, live bei Sport1). Und so wie sich die (personellen) Verhältnisse in der Sommerpause bei den Gastgebern verschoben haben, so haben sich die (sportlichen) Verhältnisse bei den Füchsen überholt: aus dem über Jahre etablierten Spitzentrio (THW Kiel, SG Flensburg-Handewitt, Rhein-Neckar Löwen) ist mittlerweile ein Quartett geworden.

Die Füchse sind deutlich stabiler geworden als zu Saisonanfang

„Die Füchse spielen deutlich stabiler als noch vor ein paar Monaten“, sagt auch Groetzki. Entsprechend viele Videos haben sich die Mannheimer von ihrem Gegner angesehen, zumal sie ohnehin gewarnt sein sollten: In der vergangenen Saison hatten sie die Meisterschaft nach einer überraschenden Niederlage gegen die Füchse noch einmal unnötig spannend gemacht – und in der laufenden Spielzeit haben die Füchse auch erst einen Punkt in fremder Halle abgegeben, beim Unentschieden in Magdeburg. Für die Mannheimer steht dagegen bereits eine Heimniederlage (gegen Flensburg) zu Buche.

Dass die Löwen trotzdem wieder ganz vorne mitspielen, liegt auch an dem Mann, den sie mit der nahezu unmöglichen Aufgabe betraut haben, den langjährigen Kapitän und Ausnahmekönner Gensheimer zu ersetzen: an Gudjon Valur Sigurdsson, einem 37 Jahre alten Isländer, der sein Leistungsniveau seit mehr als einem Jahrzehnt konserviert hat.

„Er ist in die größten Fußstapfen getreten, die es in der Bundesliga gab – und er macht das bislang absolut überragend“, sagt Linksaußen Groetzki über seinen neuen Partner in der Flügelzange. Er macht es sogar so gut, dass ein gestandener Nationalspieler wie Groetzki sagt: „Von ihm kann ich mir noch viel abschauen.“

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