Sport : Tor nach Telefonat

Ein Klub instruiert Spieler per Funk – verboten ist das nicht

Claus Vetter

Fredi Bobic stürmt auf das Tor von Oliver Kahn. Der Stürmer von Hertha BSC hält inne, er bekommt eine Instruktion über seinen Stöpsel im Ohr. „Unten links“, knarzt die Stimme von Hertha-Coach Hans Meyer in Bobics Ohr. Er schießt: Kahn pariert. Auch der Torhüter des FC Bayern hat Funkkontakt mit der Bank, Ottmar Hitzfeld hat ihm übermittelt: „Wirf dich in die rechte Ecke.“

Eine in der Bundesliga kaum vorstellbare Szene. Utopie ist sie aber nicht mehr, seit in Belgien am Wochenende der verkabelte Fußballer seine Premiere hatte: Der Torhüter des Erstligisten KRC Genk, Jan Moons, bekam im Spiel gegen den FC Brügge per Empfänger im Ohr Anweisungen vom Kotrainer. Eine originelle Idee und eine sehr gute, wie Genks Kotrainer Jos Daerden findet. Der Tabellendritte gewann 1:0. „Nach dem Tor hat Brügge den Zentralverteidiger in den Angriff geschickt“, sagt er. „Wir haben Moons gesagt, er soll unsere Stürmer ins Mittelfeld zurückholen. Es hat prima geklappt.“ Vorsprung durch Technik? In Genk sind meistens 23 000 Zuschauer im Stadion. „Da ist es laut, gehen Anweisungen von außen unter“, sagt Daerden. „Außerdem schafft es nur Unruhe, wenn Trainer an der Seitenlinie herumfuchteln.“

Die Idee kam Daerden und Chefcoach Sef Vergoosen, als sie einen Bericht über die Tour de France sahen. Bei der Frankreich-Rundfahrt ist es seit Jahren üblich, dass Fahrer per Funk instruiert werden. Allerdings fliegen Radfahrer nicht durch Strafräume. „Wir müssen klären, ob sich ein Spieler mit Knopf im Ohr verletzen kann“, sagt Nicolas Cornu, Sprecher des belgischen Fußball-Verbandes. „Wir haben von der Aktion erst nach dem Spiel erfahren. Wir werden den Fall an die Fifa weiterleiten. Die müssen entscheiden, ob so was erlaubt ist.“ In den Regularien des Fußball-Weltverbandes Fifa zur Ausrüstung von Fußballspielern steht: „Ein Spieler darf keine Ausrüstung benutzen oder tragen, die ihm oder einem anderen Spieler gefährlich werden könnte“. Im Zusatz der Regel steht, dass „jede Art von Schmuck“ am Körper verboten ist. An moderne Technik hat niemand gedacht. Oder sind Ohrstöpsel Schmuck? Bis zum Fifa-Entscheid gilt: Verboten ist es nicht, was Genk macht. Auch nicht in der Bundesliga. „Einzelne Verbände können nicht die Regeln ändern“, sagt ein Sprecher der Deutschen Fußball-Liga. „Bindend ist, was die Fifa sagt.“ Und bis die entschieden haben, „ziehen Wochen ins Land“, sagt Cornu.

Beim KRC Genk wird jedenfalls munter weitergefunkt. „Die Fifa wird in den Statuten nichts finden, was sie gegen uns verwenden kann“, sagt Kotrainer Daerden. „Im Fußball gibt es keine Auszeiten, keine Möglichkeit das Spiel anzuhalten. Unsere Methode ist genial.“

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