Sport : Tore auf die Wunden

Dortmund nimmt nach einer müden Anfangsphase und trotz vieler Verletzter Hannover 6:2 auseinander

Andreas Morbach

Dortmund. Manchmal ist es ganz hilfreich, anstelle des Cheftrainers den Sportmanager zu Pressekonferenzen zu schicken. Bei Borussia Dortmund haben sie diese personelle Ausnahme am Donnerstag, dem Tag nach dem 1:0 gegen Austria Wien, vorgenommen. In Vertretung von Matthias Sammer saß Michael Zorc vor der Presse und nahm die lahme Vorstellung gegen die Österreicher zum Anlass für ein paar grundlegende Bemerkungen. Es wäre schon schön, fand Zorc, wenn die Borussen irgendwann mal wieder etwas mehr Lust auf Tore entwickelten.

Wie es scheint, musste nur mal einer kommen, der den Dortmunder Fußballern diesen simplen Hinweis gibt. Am Samstagnachmittag zerlegte die Mannschaft von Matthias Sammer Hannover 96 nach allen Regeln der Kunst: 6:2 hieß es am Ende für Dortmund, und der Trainer erklärte die plötzliche Torwütigkeit seines Teams voller Demut: „Der Sportdirektor hat den Journalisten eine klare Vorgabe diktiert. Und ich habe versucht, mich daran zu halten.“ Dem Kollegen Ralf Rangnick hatte das halbe Dutzend Gegentreffer verständlicherweise einen mächtigen Schreck eingejagt. Dennoch sagte Hannovers Coach tapfer: „Es war ja nicht so, dass wir hier keine Chance gehabt hätten.“ Und damit hatte er sogar Recht. 2:0 hätten die Niedersachsen nach einer halben Stunde führen können.

Dann aber schritten Lars Ricken und Ewerthon zu einem schlichten Doppelpass, nach dem der Brasilianer das 1:0 erzielte. Und noch vor der Pause kombinierte sich dasselbe Duo zum zweiten Treffer, diesmal mit Ricken als Vollstrecker. Hannover war es ergangen wie einem Wanderer im australischen Outback: Weit und breit nur Dürre und roter Sand – und plötzlich reißt einen eine breite Wasserflut aus heiterem Himmel davon. Michael Zorc sagte im mit 80 500 Menschen gefüllten Westfalenstadion in der Halbzeit: „Wir sind sehr schwer, sehr zäh ins Spiel gekommen. Das Führungstor fiel aus dem Nichts.“ Geworden ist daraus eine Torflut aus dem Nichts.

Nach dem Wechsel trafen für die wie entfesselt aufspielenden Dortmunder Sebastian Kehl, noch einmal Ewerthon und zwei Mal Jan Koller. Für Hannover durften sich Vinicius und Denis Wolf in die Torschützenliste eintragen. Acht Tore, das hatte es bei Borussia Dortmund acht Jahre lang nicht gegeben – und Stefan Reuter konnte befriedigt feststellen: „Ich freue mich riesig, dass die Leute auch mal wieder so ein Spiel gesehen haben, wo es läuft und flutscht.“ Währenddessen war Matthias Sammer mit einem Phänomen beschäftigt.

Borussias Trainer wunderte sich ein wenig. „Komischerweise dauert es nach Europapokalspielen immer etwas länger, bis man seinen Rhythmus findet“, sagte Sammer, „das habe ich als Spieler schon erlebt.“ Was er aber weiß – und dem aktuellen Team gegenüber nicht eben charmant zum Ausdruck bringt: „So viel Willen und solch ein Teamgeist, das sah manchmal richtig gut aus. Wenn das jetzt auch noch die kapieren, die richtig spielen können, wird das richtig gut für uns."

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