Sport : Tore gegen die Angst

Erik Eggers

Manchmal zaubern sie in dieser Saison wirklich wunderschöne Miniaturen auf den Rasen, die Spieler von Bayer Leverkusen. So wie gestern beim 4:0-Heimsieg gegen 1860 München, als der argentinische Außenverteidiger Diego Placente in der 53. Minute den Ball führte. Nein, nicht führte, er streichelte ihn zärtlich, spielte mit ihm, und im richtigen Moment passte er ihn in die Gasse zu Zé Roberto, der auf diese Weise erneut frei zum Flanken kam.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Da führte die Heimelf bereits mit zwei Toren, und die Souveränität, mit der Bayer Leverkusen zu diesem Zeitpunkt dieses Spiel beherrschte, verblüffte den Beobachter. Denn kaum etwas hatte in der ersten Halbzeit auf eine derartige Überlegenheit hingewiesen. Drei Tage nach dem 3:1-Sieg in La Coruña wirkten viele Akteure von Trainer Klaus Toppmöller irgendwie schläfrig und behäbig. Sie kamen nicht selten einen Schritt zu spät zum Tackling, die letzte Präzision beim Abspiel fehlte, und der wieder zweiköpfige Sturm Neuville/Berbatow tappte mehrere Male amateurhaft in die Abseitsfalle.

Doch trotz aller uninspirierten Angriffsbemühungen erzielte Zoltan Sebescen mit einem Kopfball zum Pausenpfiff die Führung. Und als der für Berbatow eingewechselte Ulf Kirsten nach der Pause auf 2:0 erhöhte, war, wie Bernd Schneider hinterher meinte, "der Fisch gegessen". Die Münchner erkannten fortan die Unmöglichkeit ihres Unternehmens und ergaben sich in ihre Niederlage. Das 3:0 durch Bastürk und der zweite Treffer für Kirsten waren die logische Folge.

Toppmöller freute sich sichtlich über diesen Sieg gegen den "Angstgegner 1860", der in den letzten vier Jahren jeweils ein Remis aus Leverkusen entführt hatte. Er fand "bemerkenswert, wo die Mannschaft die Kraft hernimmt in dieser Phase". Dass seine Mannschaft Probleme mit der Motivation bekommen würde nach dem Einzug in das Champions-League-Viertelfinale, hatte er ohnehin nicht befürchtet. Vollends erledigt war dies mit der launigen Ankündigung des Münchner Präsidenten Karlheinz Wildmoser, seine Spieler würden mit Trikots der SpVgg. Unterhaching auflaufen, bei der Leverkusen schon einmal die sicher geglaubte Meisterschaft verlor. "Der Trainer hat uns das in der Vorbereitung erzählt", bemerkte Schneider lakonisch, "und wir haben die richtige Antwort darauf gegeben."

Dass der Gegner ohne Thomas Häßler antrat, weil der, so ein frustrierter Münchner Trainer Peter Pacult, "nicht leistungswillig" war - die Leverkusener nahmen auch das mit dem Gleichmut eines Titelfavoriten hin. Die Selbstverständlichkeit, mit der Toppmöller diesen Sieg aufnahm, sprach allein aus den Szenen nach dem Schlusspfiff. Normalerweise stürmt er aufs Spielfeld und umarmt sofort jeden einzelnen Spieler. Diesmal wechselte er lässig, mit den Händen in den Hosentaschen ein paar Worte mit Markus Weissenberger, bevor er seinen Profis auf die Schultern klopfte.

Sprach daraus die Selbstverständlichkeit des kommendes Meisters?

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